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Tanners Gratwanderung

Wahlen 2019: Nationalratskandidat Urs Tanner bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen arroganter Anspruchshaltung und selbstbewusstem Auftreten.

Streitgespräch zwischen Urs Tanner (SP) und Marcel Fringer (FDP) im Schaffhauser Fernsehen: Auf die Frage, ab wann er im Nationalrat Einsitz nehme, sagt Tanner zum Journalisten: «Ab Dezember 2019 natürlich, was ist denn das für eine Frage?». Ein schelmisches Lächeln zeigt sich auf Tanners Gesicht. Der Journalist ist sichtbar irritiert und setzt an, eine neue Frage zu formulieren. Tanner fällt ihm ins Wort: «Nein, Spass beiseite, das wäre völlig vermessen. Ich bin der Ersatzgoalie. Es braucht auch eine gute Nummer 2. Martina Munz hat eine sehr gute Arbeit gemacht.»

Das ist Urs Tanner, wie er leibt und lebt. Manche finden das vielleicht lustig, andere würden es möglicherweise als Zeichen von einer leicht anmassenden, arroganten Selbstüberschätzung deuten.

Tatsache bleibt: Tanner ist beim Stimmvolk einer der beliebtesten Politiker. Von 200 Kandidierenden machte bei den Schaffhauser Grossstadtratswahlen 2016 niemand mehr Stimmen als Urs Tanner. Damit habe er sich die Nomination verdient, sagt Tanner im Gespräch mit der AZ, doch mehr dazu später.

Den Militärdienst verweigert

Die AZ trifft Tanner in seinem Büro in der Webergasse. Es ist die kürzeste aller Ochsentouren, die die AZ in diesem Wahlkampf absolviert. Nach Reisen auf die Alp Babental zu Andreas Schnetzler (EDU) und nach Stein am Rhein zu Carmen Andrianjaramahavalisoa (EVP) sind es diesmal lediglich 100 Schritte über die Pflastersteine die Gasse hinunter, um von der Redaktion zu Nationalratskandidat Urs Tanner zu gelangen.

Der 51-jährige Tanner ist Jurist (ohne Anwaltspatent), Lehrer, Vater von zwei erwachsenen Kindern und inzwischen seit zwei Jahrzehnten Politiker. Verheiratet war er nie. «Ich lebe von Scheidungen», sagt der Jurist.

In seinem Büro dient eine alte, enorm schwere Holztüre als Tischplatte. Ein antikes Telefon, das noch funktioniert, schmückt den Raum, in dem rundherum jede Menge Ordner und dicke Bücher in diversen Regalen stehen. Darunter auch zwei Bände Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition des Münchner Instituts für Zeitgeschichte, in dem Hitlers Originaltext mit Kommentaren analysiert wird.

Über Bücher sei er politisiert worden, sagt Tanner und hebt Erich Maria Remarques Im Westen nichts Neues hervor, das den Ersten Weltkrieg aus der Sicht eines jungen Soldaten schildert und zu jenen Büchern gehört, die 1933 von den Nazis verbrannt wurden. Allerdings war das Buch bereits zuvor weltweit verbreitet worden. Womöglich hat die Verbrennungsaktion also letztlich nur dazu geführt, dass noch mehr Bücher von Remarque verkauft wurden, aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls: Tanner hat sich zeit seines bisherigen Lebens nie mit dem Militär angefreundet. Ende der 80er-Jahre, als es noch keinen Zivildienst gab, habe er nach der Rekrutenschule den weiteren Militärdienst verweigert, erzählt Urs Tanner. Danach verlegte er seinen Wohnsitz für ein Jahr pro forma in den Kanton Zürich, wo man damals nicht allzu genau hinsah, wenn sich jemand um den Vaterlandsdienst foutierte. «Den Mut, den Militärdienst komplett zu verweigern und in den Knast zu gehen, wie das Köbi Hirzel tat, hatte ich nicht», gesteht Tanner. Später konnte der SP-Mann seine weiteren Diensttage unter anderem in einer Kinderkrippe leisten und seinen eigenen, zweijährigen Sohn betreuen.

Auch politisch kämpfte Urs Tanner gegen das Militär. Er sammelte 1993 Unterschriften gegen den Kauf von F/A-18-Kampfjets und 2014 gegen den Gripen. Noch heute schwärmt Tanner von der Gripen-Abstimmung: «Das erste Mal wurde eine Armee-Vorlage abgelehnt!»

Als der Tanner Windeln wechselte

Die Politik war im Hause Tanner schon immer präsent. Der Grossvater politisierte in der FDP, der Vater war Stadtschulratspräsident und Bezirksrichter, ebenfalls FDP. Zum politischen Bruch in der Familie sei es aber nicht gekommen, sagt der Sozialdemokrat Urs Tanner. Im Gegenteil: Sein Vater habe Anliegen wie eine autofreie Altstadt, für die sich der Sohn schon früher eingesetzt hatte, immer mit grosser Sympathie mitgetragen und sei schliesslich aus der FDP ausgetreten, als diese mit der Autopartei paktierte.

Tanners Zuhause ist seit jeher das Schaffhauser Fäsenstaub-Quartier. Als Sohn eines Richters sei er «gut behütet, materiell gesichert, aber nicht im Luxus» aufgewachsen, sagt er. Es sei ihm aber schnell wichtig gewesen, auf eigenen Beinen stehen zu können. «Vielleicht war es Eitelkeit, aber ich wollte mein eigenes Geld verdienen.» So arbeitete Tanner während des Studiums (Urs Tanner machte das Lehrerseminar, studierte Geschichte und Jura) und darüber hinaus insgesamt zehn Jahre lang als Hilfspfleger in Marthalen und im Altersheim Steig und wechselte Windeln. Und Gleichberechtigung habe er vorgelebt: Trotz Politik und Job sei immer klar gewesen, die Kinder würden seine Lebenspartnerin und er gemeinsam aufziehen.

«Englischer» Politstil

Seit zwei Jahrzehnten politisiert Urs Tanner inzwischen im Schaffhauser Stadtparlament. Er befasste sich mit Schulhäusern, Werkhöfen, Feuerwehrzentren. Aber bald sollen es grössere und wichtigere Themen werden. Tanner will in den Nationalrat und dereinst der Nachfolger von Martina Munz werden.

Der SP-Kandidat sagt, er habe sich zwei Jahrzehnte lang in den Dienst der Partei gestellt und unzählige Unterschriften gesammelt. Und Tanners Argumente sind die knapp 5200 Stimmen, die er 2016 auf sich vereinte: «Es scheint mir relativ logisch, jemanden zu nominieren, der so viele Stimmen gemacht hat. Wenn es eine andere Person als ich gewesen wäre, hätte diese Person die Nomination verdient», sagt Tanner. Und wenn Martina Munz wiedergewählt wird und die Legislatur durchzieht, dann wolle er auch in vier Jahren wieder kandidieren.

Tanners Anspruchshaltung kommt allerdings gerade in linken Kreisen nicht überall gut an. Dort, wo man generell Werte wie Bescheidenheit und gegenseitige Rücksichtnahme hochhält – manche würden sagen, dort, wo man «nett» zueinander ist –, wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Frauen in der Politik untervertreten sind. Deshalb müsse man Frauen wählen, und damit man Frauen wählen kann, müssten Frauen nominiert werden.
Anna Naeff, Nationalratskandidatin der Alternativen Liste, die mit der SP eine Listenverbindung eingeht, um den Sitz der SP im Nationalrat zu unterstützen, machte bereits vor einigen Monaten keinen Hehl daraus, dass sie von der Kandidatur Urs Tanner nicht begeistert ist. Man habe sich «eine Frau oder einen jungen Kandidaten» auf Listenplatz 2 gewünscht, sagte sie im Radio Rasa und ergänzte: Sie finde es «tragisch», dass die SP keine zweite Frau nominieren konnte.

Tatsache ist, dass die SP – wie auch FDP und SVP – kaum junge Frauen in den eigenen Reihen hat. SP-Grossstadträtin Monika Lacher führt dies auch darauf zurück, dass der raue Politstil, der in der Politik vorherrsche, viele Frauen abschrecke.

Ist Tanner, der sich im Stadtparlament immer mal wieder Wortgefechte mit Bürgerlichen liefert und «für theatralische Voten bekannt» sei, wie die AZ vor einem Monat schrieb, mit seinem Politstil mitschuldig, dass sich nur wenige Frauen in die Politik wagen? Dass es auch in der SP praktisch keine jungen Frauen gibt?

«Ich hoffe nicht», sagt Tanner. «Wenn, dann sicher nicht vorsätzlich, sondern fahrlässig. Ich versuche, nie auf den Mann oder die Frau zu zielen, es geht mir immer um die Sache.» Tanner sagt aber auch, früher habe es in den Reihen der SP Frauen wie Esther Bänziger und Bea Hauser gegeben, die ebenfalls selten ein Blatt vor den Mund genommen hätten. «Dass das nicht allen behagt, kann ich verstehen. Aber ich vermute, es ist auch eine Typenfrage», sagt Tanner, der seinen Politstil als «englisch» bezeichnet.

Der Bruch mit der AL

Fakt ist: Vor fünf Monaten kam es zu einem Bruch zwischen SP und AL. Die gemeinsamen Fraktionssitzungen sind Geschichte. Sie spalteten sich ausgerechnet an der Person des SP-Fraktionschefs Urs Tanner. Wie die AZ Ende April publik machte, kündigte die AL die gemeinsamen Sitzungen, weil Tanner den Leuten oft ins Wort gefallen sei und Diskussionen abgeklemmt habe. Insgesamt seien die Sitzungen zeitraubend und ineffizient gewesen. Auch SPler hätten diese Kritik hinter vorgehaltener Hand geäussert. Ausserdem habe Tanner politische Vorstösse ohne Absprache geschrieben und eingereicht.

Der Konflikt mit der AL sei «Schnee von gestern», sagt Urs Tanner heute und spricht von einem «Sturm im Wasserglas». Mit Bea Will, der Fraktionschefin der AL, komme er gut aus. Und Tanner ist überzeugt, diese Episode habe ihm nicht geschadet. Ausserdem habe sich die AL mit dem Kommunisten-Foto inzwischen selber ins Abseits manövriert, so Tanner.

Die bürgerliche Seite schaute dem linksinternen Konflikt derweil genüsslich zu: Eineinhalb Wochen nach der Trennung von SP und AL druckten die Schaffhauser Nachrichten eine Karikatur, die drei plärrende AL-Kinder zeigt, die auf Tanner zeigen und «Er ist gar nicht nett!» schreien.

Die Karikatur hängt jetzt in Tanners Büro. Er hat sie gekauft. Man könnte meinen, es sei seine Siegestrophäe.

Dieser Artikel erschien am 3. Oktober in der «Schaffhauser AZ».

Die Zeit der Männer

Die SP übergibt ihre Ämter sukzessive an neue Gesichter – allerdings kaum an junge Frauen.

Die meisten sagen Sätze wie diesen: «Wenn mich die Partei will, dann stehe ich zur Verfügung.» Er macht das nicht. Er sagt stattdessen: «Ich will kandidieren.» Und: «Ich bringe 5000 Stimmen mit.»

Urs Tanner ist ein Mann mit grossem Selbstvertrauen. Manche würden es wohl Arroganz nennen. Aber selbst Kritikerinnen und Kritiker werden einräumen müssen: Urs Tanner hat einige Argumente.

Der Jurist und Lehrer ist einer der erfahrensten Politiker in den Reihen der Sozialdemokraten. Inzwischen sitzt er seit zwei Jahrzehnten im Stadtparlament. 2016, bei den letzten Wahlen, war er mit knapp 5200 Stimmen der bestgewählte Grossstadtrat aller 200 Kandidierenden.

Und trotzdem zählt Tanner noch nicht zu den alten Eisen. 52 Jahre alt wird er in diesem Jahr. Zeit, um nach Grösserem zu streben. Jetzt will Urs Tanner in den Nationalrat. Wenn es nach ihm geht, wird er im Oktober zusammen mit Martina Munz zu den eidgenössischen Wahlen antreten – und die Klettgauerin eines Tages beerben.

«Es gibt keine Absprachen», hält Urs Tanner fest. Dennoch: Dass die Person, die im Herbst hinter Martina Munz auf dem zweiten Listenplatz kandidiert, den Sprung in den Nationalrat schaffen wird, ist durchaus realistisch.

Kaum Alternativen

Martina Munz wird 2019 64 Jahre alt. Und bereits ihr Vorgänger, Hans-Jürg Fehr, trat während der Legislatur zurück. Martina Munz, die zuvor auf Platz zwei kandidiert hatte, rutschte nach – und wurde Nationalrätin.

Offiziell werden die Kandidierenden für den Nationalrat am kantonalen Parteitag vom 20. Februar nominiert. Zuvor, noch in diesem Monat, wird die SP Stadt entscheiden, ob sie eines ihrer Mitglieder ins Rennen schickt. «Ich gehe davon aus, dass die SP Stadt Urs Tanner nominieren wird», sagt Grossstadtrat Christian Ulmer. Eine andere Person kommt ihm nicht in den Sinn. Auch andere Parteimitglieder wollen oder können auf Nachfrage der AZ keine weiteren Namen nennen.

Klar ist: Neben Tanner gibt es nicht mehr viele Personen, die mit einer ähnlich hohen Zahl an Stimmen rechnen dürfen. Und mit einem zweitklassigen Namen zu den Nationalratswahlen anzutreten, kann sich die SP nicht leisten. Zu dünn ist der Vorsprung auf das Mitte-Rechts-Lager.

Peter Neukomm und Walter Vogelsanger werden ihre Ämter als Stadtpräsident und Regierungsrat kaum aufgeben. Stadtschulratspräsidentin Katrin Huber hat mit den Schaffhauser Nachrichten eine mächtige Gegnerin. Ob die Partei will oder nicht: Das ist ein Handicap. Alt-Stadtrat Peter Käppler kann davon ein Lied singen. Und Kurt Zubler, Nationalratskandidat 2015, ist inzwischen 60 Jahre alt.

Bleibt einer übrig: Patrick Strasser.

Der auf dem Abstellgleis

Ähnlich wie Urs Tanner hat Strasser bereits knapp zwei Jahrzehnte lang Erfahrungen als Politiker gesammelt. Seit 2001 sitzt er im Kantonsrat. Er war Fraktionschef, Ratspräsident, Präsident der Geschäftsprüfungskommission, Neuhauser Gemeinderat, Oberhallauer Gemeinderat.

Sein Problem: Er kommt nicht aus der Stadt und politisiert zu wenig auf stramm linker Linie. Ein Nachteil innerhalb der Partei, ein Vorteil bei Majorzwahlen.

Wäre Strasser für die Regierungsratswahlen 2016 nominiert worden, hätte ihn die mehrheitlich konservative Stimmbevölkerung der Schaffhauser Landgemeinden vermutlich in den Regierungsrat gewählt – so, wie sie es mit Walter Vogelsanger tat.

Doch so weit kam es nicht. Strasser wurde von der Parteibasis aufs Abstellgleis manövriert. «Zwischenparkiert», präzisiert Strasser gegenüber der AZ. Er gibt sich heute sportlich. Wenn man für ein Amt kandidiere, müsse man damit rechnen, dass man nicht nominiert werde, sagt er.

Für die Wahlen 2019 nimmt sich Strasser aber gleich selber aus dem Spiel. Er absolviert derzeit eine Weiterbildung für ein Zusatzdiplom, die er erst Anfang 2020 abschliessen werde. «Daneben bleibt für einen Wahlkampf in diesem Jahr keine Zeit», sagt er.

Sein Vorteil: Mit 47 Jahren ist Strasser noch immer der drittjüngste SP-Kantonsrat. Möglicherweise kommt seine Zeit noch.

Zurück zu den Nationalratswahlen: Die Zeichen für Urs Tanner stehen günstig. Und sollte Martina Munz eines Tages abtreten, wären damit die drei prestigeträchtigsten Ämter der SP (Stadtpräsidium, Regierungsrat, Nationalrat) in den Händen von Männern. Und so schnell dürfte sich daran nichts ändern. Es scheint, als breche das Zeitalter der SP-Männer an.

Die Ausnahme

Szenenwechsel. Dienstagabend im Grossen Stadtrat. Im hell erleuchteten, von Holztäfer geprägten Saal schreitet eine junge Frau nach vorne und sagt die drei Worte: «Ich gelobe es.»

Sie ist das Gesicht der Stunde, der Generationenwechsel der SP in persona: Nicole Gfeller, 32-jährige Pflegefachfrau, ist diese Woche als neue Stadtparlamentarierin vereidigt worden, nachdem der 59-jährige Urs Fürer zurückgetreten war.

Gleichzeitig steht sie etwas alleine da, die Nicole Gfeller. Als einziges SP-Mitglied ist sie: eine Frau, jünger als 35 und Parlamentarierin. Weder im Neuhauser Einwohnerrat noch im Kantonsrat findet sich eine solche Person.

Das Verdikt ist klar: Der SP fehlen die jungen Frauen in den Parlamenten.

Gfeller ist sich dessen bewusst. Seit fünf Jahren Mitglied der Partei, ist sie 2016 zum ersten Mal bei Wahlen angetreten. «Das wollte ich zuerst nicht», sagt die neue Grossstadträtin. Ihr sei es wie anderen ergangen. «Viele Frauen sind an der Politik interessiert, trauen sich ein solches Amt aber nicht zu oder wollen sich lieber im Hintergrund halten», sagt Gfeller. Auch sie habe deshalb gezögert. Sie habe aber auch realisiert, dass es zu wenige Frauen in der Politik hat. Darum wollte sie mit gutem Beispiel vorangehen.

Monika Lacher, Präsidentin der SP Stadt, teilt die Ansicht der jungen Parteikollegin: «Der raue Stil, der manchmal in der Politik herrscht, das ‹Umegeifere›, das schreckt viele Frauen ab.» Ausserdem: «Auch wenn es altmodisch klingt, es ist nunmal so: Frauen bekommen Kinder», fügt Lacher hinzu. «Wenn eine Frau Kinder hat und berufstätig ist, hat sie kaum noch Zeit, um Politik zu machen.»

Jetzt, gut zwei Jahre nach den Wahlen, hat Nicole Gfeller ein Amt. Und sie will es behalten. Auch 2020 will sie wieder kandidieren.

Zahlreiche Rücktritte

Vielleicht kann Gfeller junge Frauen nachziehen. Allenfalls kommt Seraina Fürer, einstige Juso-Kantonsrätin, die vor einem Jahr wegzog, irgendwann zurück in die Munotstadt – mehrere SPler wollen die Hoffnung darauf nicht aufgeben.

Einige nennen auch Christine Thommen, Präsidentin der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb), die kürzlich von der FDP zur SP übertrat. Daniel Borer bringt Sabina Tektas-Sorg ins Spiel, die 2016 für den Neuhauser Einwohnerrat kandidiert hatte. Und dennoch: Die jüngeren weiblichen Nachwuchshoffnungen der SP lassen sich an einer Hand abzählen.

Dabei wäre jetzt die Gelegenheit, in die Bresche zu springen. Bei der SP ist derzeit ein Generationenwechsel im Gang.

Zuoberst an der Parteispitze hat die SP den Wechsel bereits 2017 eingeläutet. Der damals 31-jährige Daniel Meyer übernahm das Präsidium von Werner Bächtold.

Nun erfolgt die Wachablösung auch in den Räten. Neben Urs Fürer im Stadtparlament sind in den letzten beiden Jahren im Kantonsrat gleich vier SP-Mitglieder zurückgetreten. Mindestens einer dürfte in naher Zukunft noch dazukommen: Der Abgang von Jürg Tanner zeichnet sich ab. Der 61-jährige Jurist macht keinen Hehl daraus, dass er wohl noch vor den nächsten Wahlen abtreten wird.

Dank jenen, die bisher nachgerückt sind – neben Gfeller im Stadtparlament sind es Irene Gruhler Heinzer, Katrin Huber, Eva Neumann und Marco Passafaro im Kantonsrat –, hat sich der Frauenanteil in den SP-Fraktionen leicht erhöht, erreicht aber keine 40 Prozent. Und auch eine Verjüngung hat kaum stattgefunden. Nach Gfeller ist Katrin Huber, 48-jährig, die jüngste Frau in den Reihen der SP.

Auch eine Umfrage unter zahlreichen SP-Mitgliedern zeigt: In den Polepositionen für künftige Posten stehen vor allem Männer.

Männer in den Startlöchern

Es ist insbesondere ein Name, der häufig zuerst fällt: Patrick Portmann. Mehrere von der AZ befragten SP-Mitglieder loben ihn: «Portmann ist ein aktiver, kämpferischer Jungspund». «Einer, der die Leute begeistern kann». «Kein Akademiker», wie es heute viele Genossinnen und Genossen sind.

Kein Zweifel. Der junge Mann soll einmal in grosse Fussstapfen treten. Um heranzureifen, hat der 29-Jährige allerdings noch ein paar Jahre Zeit. Bis dahin sind womöglich noch andere am Zug. Beispielweise die beiden Grossstadträte Marco Planas und Christian Ulmer. Auch sie werden von zahlreichen SP-Leuten als künftige Figuren genannt. Vielleicht wird einer von beiden 2020 oder 2024 als Stadtrat kandidieren.

Auch in Neuhausen hat die SP mehrere Personen mit Ambitionen, auch hier sind es vor allem Männer. Derzeit ist die Neuhauser SP mit Renzo Loiudice, 39, und Franziska Brenn, 58, im Kantonsrat vertreten. 2020 will auch Einwohnerrat Daniel Borer, der vor rund einem Jahr mit Kritik am «extremen Linkskurs» der nationalen Parteileitung in die Medien kam, ins Kantonsparlament einziehen. Gleichzeitig ist SP-Präsident Daniel Meyer aus dem Klettgau nach Neuhausen umgezogen und könnte damit im Neuhauser Wahlkreis kandidieren.

Jedenfalls: Für die Frauen scheint kein Platz mehr frei.

Dieser Artikel erschien am 10. Januar in der «Schaffhauser AZ»