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Mitte mit Linksdrall

Sie wird dort gewählt, wo die Reichen wohnen. Und sie sorgt bei FDP und SVP für Frust, weil sie häufig mit der SP paktiert. Wie die GLP wirklich tickt. Eine Analyse.

Je höher die Steuerkraft pro Person in einer Gemeinde (Zahlen von 2018), desto höher war auch der Wähleranteil der GLP bei den Nationalratswahlen 2019. Grafik: Jimmy Sauter.

Das Verdikt ist klar: Je tiefer der Steuerfuss einer Gemeinde, desto höher der Wähleranteil der Schaffhauser Grünliberalen. Und: Der Wähleranteil der GLP ist in jenen Gemeinden überdurchschnittlich hoch, in denen auch die Steuerkraft pro Person gross ist. Das zeigen Analysen der AZ aufgrund der vergangenen Nationalratswahlen.

Konkret heisst das: In den steuergünstigen Gemeinden wie Buchberg, Stetten und Rüdlingen, wo die Steuerkraft pro Kopf mit über 4000 Franken am höchsten liegt, machte die GLP im Herbst bis zu 10 Prozent der Stimmen. In Beggingen hingegen, wo die Steuerkraft gerade mal 2000 Franken pro Person beträgt und der Steuerfuss bei 119 Prozent liegt – so hoch wie nirgends sonst im Kanton –, wählten nicht einmal zwei Prozent grünliberal. Der Zusammenhang ist statistisch erkennbar. 

Das heisst überspitzt gesagt: Je reicher die Bevölkerung einer Gemeinde, desto höher der Wähleranteil der Schaffhauser Grünliberalen.

Was sagt das aus über die Partei, die noch nicht einmal sechs Jahre alt ist, aber die Politik – vor allem in der Stadt Schaffhausen – bereits entscheidend mitprägt? Bleibt den Leuten dort, wo sie dem Fiskus weniger abgeben müssen, mehr Geld im eigenen Portemonnaie, um auch noch was zugunsten einer nachhaltigen Umwelt abgeben zu können, während man gleichzeitig kaum auf Sozialleistungen wie Prämienverbilligungen angewiesen ist? Sprich: Muss man sich GLP-Wählen leisten können?

Kantonsrätin Maria Härvelid und Christoph Hak, Präsident der Schaffhauser GLP, sollen das erklären.

Der, der einst SP wählte

Es ist Montagmorgen, auf dem Weg in das Schaffhauser Breitequartier. Regentropfen klatschen gegen die Fensterscheiben des Busses. Draussen ziehen zwei- und dreistöckige Mehr- und Einfamilienhäuser mit kleinen grünen Vorgärten vorbei. Hier ist Christoph Hak zu Hause. 

Am Montag kümmert sich Hak um die Politik. Und um die beiden Kinder. An den anderen Tagen arbeitet er als Coach und Personalverantwortlicher in der Arbeitsintegration, wo er Arbeitslose zurück in den Arbeitsmarkt führen soll.

Bereits am frühen Morgen hat er ein Kind zum Arzt gebracht. Bevor er den Zmittag kochen wird, hat er noch eine Stunde Zeit.

Also: Muss man sich GLP-Wählen leisten können, Christoph Hak?

«Dieser Meinung bin ich überhaupt nicht. Wir machen keine Politik für die Reichen, sondern Politik für den Mittelstand. Klar, das sagen die meisten anderen bürgerlichen Parteien auch, aber sie machen es nicht. Die SVP macht Politik für Reiche und Superreiche, die FDP dasselbe.»

Christoph Hak sitzt am Stubentisch. Hinter ihm sind dicke Bücher (Stieg Larssons Krimis) und Kinderspiele (Cluedo, Monopoly) in weissen Regalen verstaut. In einer Ecke stapeln sich Unmengen CDs.

Früher wählte er SP, sagt Hak. 2003 aber, als Blocher in den Bundesrat gewählt wurde, wandte er sich von den Genossinnen und Genossen ab. «Die SP hätte aus dem Bundesrat austreten und in die Opposition gehen müssen. Dass sie das nicht getan hat, zeigte mir, dass sie wie alle anderen Parteien nur an der Macht interessiert ist», sagt Hak. 

Das klingt ziemlich radikal.

Hak: «Ja, das war aber auch noch eine anderen Zeit, ich war jung.»

Stimmt es also, wenn es heisst: Wer mit 20 Jahren kein Sozialist ist, hat kein Herz, wer es danach noch ist, hat keinen Verstand?

Hak: «Für mich trifft das ein Stück weit zu, ja».

Das Migrantenkind

Ortswechsel. Vom Breitequartier in die Schaffhauser Altstadt. Über Mittag, zwischen Kantonsratssitzung und Kommissionssitzung, ist im Terminkalender von Maria Härvelid noch nichts eingetragen. Sie empfängt die AZ in einem Sitzungszimmer einer Freundin.

Maria Härvelid ist «ein Migrantenkind», wie sie selbst sagt. In Schweden geboren, die Mutter Schweizerin, kam sie als 10-Jährige in die Schweiz. Und blieb hier. Sie machte die Ausbildung zur Pflegefachfrau, absolvierte Weiterbildungen und arbeitet heute als Bereichsleiterin am Thurgauer Bildungszentrum für Gesundheit und Soziales.

Auch Maria Härvelid, bis kürzlich Co-Präsidentin der GLP, ist nicht mit der Aussage einverstanden, dass man sich GLP-Wählen leisten können muss. Sie nimmt die AZ-Analyse auseinander und sagt, der vergleichsweise hohe Wähleranteil der GLP in Buchberg und Rüdlingen sei wohl darauf zurückzuführen, dass die beiden Gemeinden näher beim Kanton Zürich liegen, wo die GLP schon seit 2004 existiert, zehn Jahre länger als in Schaffhausen. «Im unteren Kantonsteil hat man mehr Erfahrungen mit unserer Politik machen können, deshalb ist der Wähleranteil dort vermutlich auch höher», meint Härvelid.

Sie hat nicht ganz unrecht. Ohne Buchberg und Rüdlingen nimmt der Zusammenhang zwischen Steuerkraft und Wähleranteil der GLP ab, er existiert aber weiterhin, wenn auch auf tieferem Niveau. 

Die «Grünasozialen»

Die ehemalige Co-Präsidentin der GLP war früher Mitglied der Ökoliberalen Bewegung Schaffhausen (ÖBS), bis sich die Partei in Grüne und Grünliberale gespalten hat. Härvelid trat der GLP bei, die in den letzten Jahren Auftrieb erhalten hat. Im Zuge der «Fridays for future»-Bewegung seien zahlreiche Junge beigetreten, rund 100 Mitglieder habe die Partei inzwischen. Maria Härvelid sagt aber auch, die Arbeit habe in letzter Zeit deutlich zugenommen. «Wir sind von der Stubentisch-Partei zu einer Partei geworden, die eine professionelle Organisation braucht.»

Hinzu kommt der politische und mediale Gegenwind. Vor einem Jahr wurde die GLP von der WOZ als «die Grünasozialen» bezeichnet. Die Wochenzeitung untermauert ihren Standpunkt unter anderem mit den Positionen der nationalen Partei. Die GLP kämpfte für die Unternehmenssteurreform III und den Einsatz von Detektiven gegen Sozialversicherungsbezügerinnen und -bezüger. Ausserdem lehnten die Grünliberalen linke Anliegen wie die Erbschaftssteuerinitiative und die Abschaffung der Pauschalbesteuerung von ausländischen Millionärinnen und Millionären ab.

Wie ist das, wenn man «grünasozial» genannt wird?

Maria Härvelid schaut irritiert und schüttelt den Kopf. Die WOZ liest sie anscheinend nicht. «Das ist völlig verkehrt», sagt sie dann und überlegt: «Wir bearbeiten Wirtschaftsthemen. Und je nach Thematik gewichten wir diese manchmal höher. Wenn ich das jetzt aus extrem linker Perspektive anschaue, dann mag man diese Optik haben. Persönlich sage ich: Ich? Asozial?» Härvelid winkt mit der Hand ab und schüttelt nochmals den Kopf. Ihr fehlen die Worte. 

Tatsache ist aber auch: Die Schaffhauser GLP trug vor vier Jahren Kürzungen bei den Prämienverbilligungen mit. Die Sparmassnahme scheiterte zwar anschliessend am Stimmvolk, aber dennoch: Es sind Parolen wie diese, die auf linker Seite nicht gut ankommen. Ebenso lösten die Nein-Empfehlungen der GLP zur Bodeninitiative des Umweltverbandes WWF und jüngst zur Transparenzinitiative der Juso auf linker Seite Kopfschütteln aus. Im Zweifel setzen sie sich eben doch mit den Rechten ins gleiche Boot, heisst es.

Gleichzeitig wird die Partei von FDP und SVP insbesondere in der Stadt immer wieder mit den Linken gleichgestellt. Man spricht von einer «linken Mehrheit», obwohl die linken Parteien (AL, Juso, SP, Grüne) nur 15 von 36 Sitzen im Stadtparlament innehaben. Nur wer die EVP (1 Sitz) und die GLP (3 Sitze) zum linken Lager zählt, kommt auf eine «linke» Mehrheit. 

Maria Härvelid sagt: «Wir werden von den anderen immer dorthin geschoben, wo sie uns sehen wollen. Von links und rechts wird an uns gezogen. Aber wir lassen uns auf keine Spiele ein.»

Einig sind sich Hak und Härvelid, dass die GLP «im Gegensatz zu den Polparteien keine einfachen Antworten» auf die komplexen politischen Probleme anbiete. «Wer unsere Position verstehen will, muss selber mitdenken», sagt Hak. «Das führt vermutlich dazu, dass wir im Bildungsbürgertum eher verstanden werden.» Das Bildungsbürgertum wiederum zählt zur wohlhabenden Schicht. 

Frust auf der rechten Seite

Der Frust bei FDP und SVP kommt allerdings nicht von ungefähr. Eine Analyse der AZ zeigt: Die drei GLP-Grossstadträte Raphael Kräuchi, René Schmidt und Bernhard Egli stimmen im Stadtparlament deutlich häufiger zusammen mit der SP als mit der FDP. Bei 77 Prozent der Abstimmungen stimmten GLP und SP identisch, nur bei 52 Prozent der Abstimmungen nahm die GLP die gleiche Position wie die Freisinnigen ein (berücksichtigt wurden 42 Abstimmungen von Anfang September 2019 bis Ende Februar 2020). In der Stadt verhilft die GLP den Linken also häufiger zu einer Mehrheit als den Rechten. Beispiele, in denen sich die Mitte-Links-Allianz durchsetzte, sind Lohnerhöhungen für das Stadtpersonal, der Ausbau der autofreien Zone in der Altstadt, der Kampf gegen ausländischen Strom aus nicht erneuerbaren Energien oder diese Woche das Kammgarn-Projekt (siehe Seite 7). 

Schliesslich zeigt sich auch im Kantonsrat, dass die GLP häufiger zusammen mit der SP (74 Prozent Übereinstimmung) als mit der FDP (69 Prozent) abstimmt. Die Hellgrünen tendieren eher zum sozialistischen Rot als zum liberalen Blau. Das Bildungsbürgertum hat – zumindest in gewissem Mass – ein soziales Gewissen.

Dieser Artikel erschien am 5. März in der «Schaffhauser AZ».

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die FDP will mit Diego Faccani einen zweiten Sitz im Stadtrat erobern. Schon wieder. Warum es diesmal klappen soll, weiss niemand so genau.

Diego Faccani, Raphaël Rohner und Christian Stamm (von links). Foto: Stefan Kiss.

Diego Faccani, Raphaël Rohner und Christian Stamm sitzen um den Bartresen des Hotels Promenade und warten. Warten darauf, dass die FDP-Mitglieder entscheiden. 

Die Zeit vergeht. Einige nippen an einer Bierflasche. Man macht einen Witz. 

Dann, nach einer halben Stunde, öffnet sich die Tür. Journis und Kandidaten werden wieder hereingebeten. Die Parteibasis hat hinter geschlossenen Türen diskutiert und beschlossen: Neben dem amtierenden Stadtrat Raphaël Rohner wird die Partei Ende August mit Diego Faccani ins Rennen um den frei werdenden Sitz von Simon Stocker (AL) steigen. Christian Stamm, der ebenfalls zur Auswahl stand, zieht den Kürzeren. Der Entscheid sei «mit grosser Mehrheit und sehr eindeutig gefallen», verkündet der Präsident der FDP Stadt, Stephan Schlatter. Applaus im kleinen Saal. 

Eine Überraschung ist das nicht. Mutig ist es auch nicht wirklich. Und erfolgreich? Die definitive Antwort werden erst die Wahlen geben. Die Zeichen indes deuten kaum darauf, dass es diesmal anders ausgehen wird als noch vor vier Jahren, als die FDP mit dem gleichen Duo antrat – und scheiterte. 

Schon einmal gescheitert

Bereits 2016 wollte Diego Faccani in den Stadtrat. Damals ging es um einen freisinnigen Sitz, jenen von Urs Hunziker. Faccani landete mit 4600 Stimmen allerdings nur auf dem letzten Platz aller sechs Kandidierenden. Es fehlten knapp 1200 Stimmen auf den fünftplatzierten Daniel Preisig (SVP). Auf Katrin Bernath, die direkte Konkurrentin von der GLP, waren es gar 1500 Stimmen. Seither sind die Freisinnigen nur noch mit einer Person im Stadtrat vertreten. Wie aussergewöhnlich das ist, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: In den letzten 100 Jahren gab es nur 15 Jahre, in denen die FDP mit weniger als zwei Vertretern im Stadtrat sass. Die letzten vier Jahre gehören dazu. 

Der Verlust des zweiten Stadtratssitzes war indes nur die logische Konsequenz einer Reihe von Wahlniederlagen. Seit 2008 haben FDP und Jungfreisinnige einen Drittel ihrer Wählerinnen und Wähler verloren, die Partei schrumpfte von knapp 24 Prozent (9 Sitze im Parlament) auf 16 Prozent (6 Sitze). Die AZ titelte «FDP: Kurs aufs Riff» und «Aufgelaufen»

Nun also Prinzip Hoffnung. Denn so viel ist klar: In den letzten vier Jahren hat sich das politische Klima kaum zugunsten der Freisinnigen verändert. Im Gegenteil. Bei den letzten Nationalratswahlen unterboten sich FDP und Jungpartei noch einmal. In der Stadt Schaffhausen resultierte ein Wähleranteil von 9,6 Prozent, so wenig wie seit mindestens 1975 nicht. Damals waren es 34 Prozent gewesen, 1999 sogar 40 Prozent. 

Derzeit stehen aber Grün und Grünliberal im Trend. Wahlanalysen von SRF und dem Statistischen Amt des Kantons Zürich zeigen, dass die FDP zuletzt vor allem an die GLP Wählerinnen und Wähler verloren hat.

Die Stadtschaffhauser FDP zeigt sich darüber bis heute unbeeindruckt und macht keine Anstalten, ein grünes Mäntelchen anzuziehen: Erst letzte Woche diskutierte das Stadtparlament darüber, ob der städtische Stromversorger SH Power künftig nur noch Ökostrom anbieten soll. Der sogenannte Egalstrom, der unter anderem nicht erneuerbare Energien aus dem Ausland beinhaltet, soll gestrichen werden. Der Vorstoss kam von einem Grünliberalen. Freisinnige Sprecher lehnten die Forderung ab und kritisierten die GLP. Martin Egger sagte, bei einem solchen «Zwang» zum Ökostrom, da «blutet mein liberales Herz». Und Till Hardmeier forderte, die GLP solle das Wort «liberal» aus ihrem Parteinamen streichen.

SP-Mann Tanner bleibt gelassen

Die GLP sei eben «relativ wenig liberal», sagt auch Stephan Schlatter am Ende des Parteitages vom vergangenen Donnerstag zur AZ. Fragt man Grünliberale und Linke, heisst es wiederum, die FDP sei in den letzten Jahren nach rechts abgedriftet. 

Mittendrin in dieser von Wahlniederlagen arg gebeutelten Partei steht Diego Faccani, das Altstadtkind, das früher im Tellenbrunnen gebadet hat und heute das Schuhgeschäft der Eltern weiterführt. Seit sieben Jahren politisiert Faccani für die Freisinnigen, seit 2013 im Stadtparlament, seit 2017 auch im Kantonsrat. Er ist weder ein ultraliberaler Hardliner wie Christian Heydecker noch einer, der überdurchschnittlich häufig nach links ausschert, wie das Thomas Hauser macht. Das zeigte die Kantonsratsanalyse der AZ von Anfang Jahr.

«Stamm wäre als populärer, bekannter Mann der SP echt gefährlich geworden»
Urs Tanner, SP.

Sein Konkurrent an diesem Abend im Hotel Promenade: Christian Stamm, politischer Neueinsteiger, aber kein unbekannter Name. Der Moderator von politischen Diskussionen bei Tele D und Radio Munot, Vorstandsmitglied des Quartiervereins Herblingen und kürzlich auch interimistisch Mediensprecher des FC Schaffhausen, trat in den Medien immer wieder in Erscheinung. Wo er politisch steht, wusste man bis anhin nicht wirklich. Irgendwo am linken Flügel des bürgerlichen Lagers vielleicht. Ein Ideologe ist er sicherlich nicht. Das zeigt sich auch daran, dass er in der Vergangenheit bereits von SP, GLP und SVP angefragt worden sei, ob er für ein politisches Amt kandidieren wolle, wie Stamm selber sagt. Vielleicht gerade deshalb, weil man ihn nicht wirklich einordnen kann, meinte SP-Fraktionschef Urs Tanner schon vor dem Parteitag der Freisinnigen gegenüber der AZ, er stufe Stamm im Vergleich mit Faccani als gefährlicheren Kandidaten ein. Heute sagt Tanner: «Wer das Resultat von Diego Faccani vor vier Jahren anschaut und den Zustand der FDP, der wundert sich. Stamm wäre als populärer, bekannter Mann der SP echt gefährlich geworden.»

Nun wird die SP gegen Faccani antreten. Die Skepsis gegenüber dem Quereinsteiger Stamm war bei vielen Mitgliedern zu gross. Man setzt auf den, den man schon kennt. Derweil wird Tanner zuhause wohl leise vor sich hin lächeln. 

FDP: Vergangenheit schönreden

Am Ende der Parteiversammlung, an der fast durchgehend die aus rechtsbürgerlicher Sicht bestehende, faktisch aber nicht vorhandene «linke Mehrheit» in der Stadt beklagt wurde, bleibt eine letzte, entscheidende Frage: Warum soll diesmal klappen, was bereits vor vier Jahren nicht funktioniert hat?

«Faccani ist ja eigentlich schon 2016 gewählt worden»
Vier FDP-Mitglieder.

Vier FDP-Mitglieder sagen unabhängig voneinander dasselbe: «Diego Faccani ist ja eigentlich schon 2016 gewählt worden, aber halt als Überzähliger ausgeschieden.»

Sie meinen damit, dass Faccani 2016 das sogenannte absolute Mehr, eine gesetzlich festgelegte Anzahl Stimmen, die auf einer mathematischen Formel basiert, erreicht hat. Freilich nützte ihm das herzlich wenig, weil das die anderen fünf Kandidierenden ebenfalls geschafft haben. Am Ende, wenn alle das absolute Mehr erreichen, werden die fünf Personen mit den meisten Stimmen gewählt. Den Hinweis auf das Erreichen dieser Hürde ist lediglich eine beschönigende Ausrede von Verliererparteien. Das gilt nicht nur für die FDP, sondern auch für die SP, die jeweils dasselbe sagt, wenn sie mal wieder mit einem Angriff auf einen zweiten Regierungsratssitz gescheitert ist. 

Gibt es sonst noch ein Argument?

Grossstadtratspräsidentin Nicole Herren sagt: «Die Zeichen stehen vielleicht nicht unbedingt für die FDP. Es wird eine schwierige Aufgabe, aber ein Vertreter des Gewerbes würde dem Stadtrat guttun.»

Grossstadtrat Till Hardmeier meint, mit einem Kandidaten vom linken Flügel wären die Wahlchancen vermutlich höher. Ihm sei ein Kandidat auf Parteilinie aber lieber. Und Faccani bringe «einen grossen Politrucksack» mit. 

Parteipräsident Stephan Schlatter übt sich in Zweckoptimismus: «Diesmal klappt es. Es braucht jetzt eine Veränderung. Wir müssen knackiger auftreten und weniger kompromissbereit sein.»

Und Kantonsrat Thomas Hauser schöpft Hoffnung, weil die FDP diesmal einen eigenständigen Wahlkampf betreiben und nicht mehr eine derart enge Allianz mit der SVP eingehen werde wie noch vor vier Jahren. Damals bildeten Rohner und Faccani mit SVP-Mann Daniel Preisig ein Gespann. «Das bürgerliche Dreierticket» liess sich gemeinsam auf Wahlplakaten abbilden, so, als würden sie eine gemeinsame Partei vertreten. Heute spricht sich Hauser gegen eine solche gemeinsame Wahlkampagne aus: Indem man die Eigenmarke FDP stärke, könne es nur besser werden, sagt er. 

Das ist immerhin eine neue Strategie. Ob sie auch gut genug ist, wird sich zeigen.

Resultate Stadtratswahl 2016
Gewählt:
Peter Neukomm (SP): 7869 Stimmen
Simon Stocker (AL): 7232 Stimmen
Raphaël Rohner (FDP): 6179 Stimmen
Katrin Bernath (GLP): 6095 Stimmen
Daniel Preisig (SVP): 5804 Stimmen
Nicht gewählt:
Diego Faccani (FDP): 4642 Stimmen
Absolutes Mehr: 3852 Stimmen

Dieser Artikel erschien am 27. Februar in der «Schaffhauser AZ».

Ein Drittel der Politiker bezieht Ökostrom

Erneuerbarer Strom: Wie vorbildlich sind die Schaffhauser Politikerinnen und Politiker?

Sind sie Vorbilder in Sachen erneuerbare Energien, die Schaffhauser Politikerinnen und Politiker? Einige schon, andere nicht. Das zeigt eine Umfrage dieser Zeitung. Die AZ hat alle Mitglieder des Stadtparlaments und des Stadtrates angefragt, welche Art von Strom sie beziehen. 

Auslöser für die Umfrage ist, dass das Stadtschaffhauser Parlament den städtischen Stromversorger SH Power dazu zwingen will, künftig nur noch ökologischen Strom anzubieten (siehe Ausgabe von letzter Woche). Der sogenannte «Egalstrom», der unter anderem aus nicht erneuerbaren Energien aus dem Ausland besteht, soll abgeschafft werden. Aber: Beziehen die Stadtschaffhauser Politikerinnen und Politiker denn auch selber Ökostrom?

Von den total 41 angeschriebenen Personen haben etwas mehr als die Hälfte geantwortet. Die meisten gaben an, eine der drei Sorten Ökostrom zu beziehen, die SH Power anbietet. Insgesamt bezahlen knapp ein Drittel des Stadtparlaments sowie drei von fünf Stadtratsmitgliedern laut eigenen Angaben Ökostrom. Darunter sind Politikerinnen und Politiker von links bis rechts, wobei jene auf linksgrüner Seite wenig überraschend in der Mehrzahl sind.

Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Christian Ulmer (SP) und Simon Sepan (AL) geben freiwillig zu, Egalstrom zu beziehen. Beide kündigen aber an, nun umgehend auf Ökostrom umzusteigen. Dasselbe macht auch Michael Mundt (SVP). Er habe sich entschieden, künftig Wasserstrom zu beziehen: «Der dadurch resultierende Aufpreis ist für mich minim, und mit Schweizer Wasserstrom kann ich ganz gut leben», schreibt Mundt. 

Der Preisunterschied zwischen dem günstigsten Ökostrom und dem Egalstrom ist in der Tat klein. Pro Kilowattstunde Strom kostet der sogenannte «Cleansolution Basic – Schweizer Wasserstrom» 22.66 Rappen. Der Egal­strom ist mit 22.23 Rappen noch leicht billiger.

Während einige den Wechsel ankündigen, bleiben andere konsequent. Till Hardmeier (FDP) schreibt: «Ich will den billigsten. Es kommt bei allen der gleiche Strom aus der Steckdose, egal was man wählt.»

Dieser Text erschien am 27. Februar in der «Schaffhauser AZ».

AL verzichtet auf Stadtratskandidatur

Kampf um Stockers Sitz: Kommt es jetzt zum Duell SP gegen FDP?

Die Alternative Liste wird ab dem nächsten Jahr nicht mehr im Schaffhauser Stadtrat vertreten sein. Die Partei verzichtet darauf, den Sitz von Simon Stocker zu verteidigen. Das gibt die AL in einem kurzen Statement auf Nachfrage der AZ bekannt.

Obwohl man sich grundsätzlich als Oppositionspartei betrachte, habe man sich in den letzten Monaten intensiv mit möglichen Kandidaturen für den Stadtrat auseinandergesetzt, schreibt die Partei. «Simon Stocker hat gezeigt, dass ein AL-Stadtrat Schaffhausen gut tut.» Und weiter: «Anna Brügel, Linda De Ventura und Angela Penkov wären kompetente, engagierte und würdige Nachfolgerinnen für Simon Stocker und mussten sich nicht mit der Frage beschäftigen, ob sie in seine Fussstapfen treten können, sondern ob sie das wollen.» Derzeit sei für alle aber nicht der richtige Zeitpunkt, um ein Stadtratsamt auszuüben. Sie wollen «andere Lebensaufgaben nicht vernachlässigen». Bei den Stadtratswahlen im August werde die AL deshalb die anderen linken Kandidaturen unterstützen. 

Damit scheint definitiv klar, dass die SP neben Peter Neukomm mit einer zweiten Person antreten wird. SP-Fraktionsschef Urs Tanner hatte dies bereits einmal angekündigt. Sollte die SP verzichten, könnte Stockers Sitz kampflos ans bürgerliche Lager fallen.

SP: Frau oder Mann

Wie aus parteinahen Kreisen zu vernehmen ist, stehen Christine Thommen, Präsidentin der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde, sowie Grossstadtrat Marco Planas als mögliche Kandidierende zur Debatte.

Thommen wurde bisher in erster Linie als potenzielle Regierungsratskandidatin gehandelt. Ihr dürfte aber auch klar sein, dass die Wahlchancen von Kandidierenden linker Parteien in der Stadt grundsätzlich deutlich höher sind als im klar bürgerlich dominierten Kanton. Gegenüber der AZ sagt Thommen, das Stadtratsamt würde sie «grundsätzlich interessieren». Alles Weitere entscheide die Partei. Identisch äussert sich Marco Planas. 

Mit dem Verzicht der AL auf eine Kandidatur zeichnet sich ab, dass es im August voraussichtlich zum Duell zwischen SP und FDP kommen wird. Die FDP entscheidet nächste Woche, ob sie neben Raphaël Rohner mit Christian Stamm oder wie schon vor vier Jahren nochmals mit Diego Faccani ins Rennen steigt. Die SP kürt ihre Kandidierenden Anfang April. 

Und was macht die SVP?

Bleibt die Frage: Was macht die SVP? Grossstadtrat Michael Mundt, der von seinem Parteipräsidenten Hermann Schlatter bereits einmal als möglicher Stadtratskandidat ins Spiel gebracht wurde, hält sich derzeit noch bedeckt. Nachdem die FDP beschlossen habe, mit zwei Personen zu kandidieren, müsse die SVP nun schauen, ob es Sinn mache,  ebenfalls mit zwei Kandidaten anzutreten: «Eine vierte bürgerliche Kandidatur könnte die Chancen der anderen bürgerlichen Kandidaten schmälern», sagt Mundt. Ein Entscheid sei aber noch nicht gefällt. Nächste Woche werde die Parteileitung eine strategische Sitzung abhalten und über das weitere Vorgehen beraten.

Dieser Text erschien am 13. Februar in der «Schaffhauser AZ»

Die Juso landet einen Coup

Schaffhausen nimmt die Transparenz-Initiative an.

Die Stimmbevölkerung des Kantons Schaffhausen will, dass Parteien, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände künftig offenlegen müssen, wie viel Geld sie in Wahlen und Abstimmungen investieren und woher die Mittel stammen. Sie hat einer entsprechenden Volksinitiative der Schaffhauser Juso heute mit 53,8 Prozent zugestimmt.

Das Ja kam unter anderem deshalb zustande, weil die grössten Gemeinden Schaffhausen und Neuhausen die Mehrheit der kleineren Landgemeinden überstimmten. Insgesamt resultierte in 19 Schaffhauser Gemeinden ein Nein, in sieben Gemeinden ein Ja.

2018 hatte die Juso mit ähnlichen Initiativen schon in den Kantonen Schwyz und Freiburg gewonnen, im Aargau und im Kanton Baselland hingegen wurden dieselben Volksbegehren abgelehnt.

Kantonsratsanalyse 2017-2019

Ganz links, ganz rechts oder irgendwo in der Mitte – wo politisieren die 60 Schaffhauser Kantonsrätinnen und Kantonsräte? Eine Analyse.

Drei Jahre, 68 Sitzungen und knapp 400 Abstimmungen: Die 60 Schaffhauser Kantonsrätinnen und Kantonsräte haben seit den Wahlen 2016 einiges entschieden, sie haben beispielsweise die Steuern gesenkt und diverse neue Gesetze erlassen. Wer dabei auf die eine oder andere Art aufgefallen ist, zeigt die nachfolgende Analyse.

Der Pflichtbewusste

Er verpasste keine einzige Abstimmung, weil er zu spät kam – und das, obwohl er aus dem hintersten Ecken des Kantons anreisen muss: Niemand sonst ist so pflichbewusst wie der Begginger Erich Schudel. Der Kantonsrat der Jungen SVP war von Januar 2017 bis Dezember 2019 an allen 68 Ratssitzung anwesend und hat gerade mal an einer einzigen Abstimmung nicht teilgenommen. Zumindest zeigen das die Daten, die entweder von der AZ oder vom Kantonsratssekretariat erfasst wurden. In einzelnen Fällen streikte die elektronische Abstimmungsanlage. Die Kantonsrätinnen und Kantonsräte stimmten in diesen Fällen deshalb auf altmodische Art per Aufstehen ab. Wer dann gefehlt hat, weiss rückblickend niemand mehr.

Abgesehen von diesen vereinzelten Fällen hat die AZ für diese Analyse insgesamt 369 Abstimmungen berücksichtigt. Erich Schudel hat mit einer Ausnahme, der Abstimmung über den Abbau von Poststellen im Februar 2018, immer mitgestimmt. Sogar die einzige Abstimmung, an der er nicht teilgenommen hat, hat er nicht etwa verpasst, weil er schnell auf dem Klo war, sondern weil er als Postangestellter in den Ausstand trat. Damit hat der Begginger die höchste Teilnahmequote aller Kantonsratsmitglieder, die seit mindestens einem Jahr im Amt sind.

Anwesenheitskönige
Wie häufig die Kantonsratsmitglieder an Abstimmungen teilgenommen haben:

  1. Erich Schudel, JSVP (99,7%)
  2. Andreas Schnetzler, EDU (99,5%)
  3. Markus Fehr, SVP (99,2%)

Auf den Plätzen zwei und drei landen mit Andreas Schnetzler (EDU) und Markus Fehr (SVP) zwei weitere Mitglieder der SVP/EDU-Fraktion. Trotzdem hat die SVP/EDU-Fraktion zusammen mit der AL/Grünen-Fraktion die tiefste Teilnahmequote (jeweils 89,7 Prozent). Am wenigsten Abstimmungen verpasst die GLP/EVP-Fraktion. Ihre Teilnahmequote liegt bei 93,3 Prozent. Durchschnittlich fehlen pro Abstimmung fünf von 60 Kantonsratsmitgliedern.

Der sich nicht entscheiden kann

Wenn sie denn anwesend sind und abstimmen, gibt es immer wieder Kantonsrätinnen und Kantonsräte, die sich nicht zwischen Ja und Nein entscheiden können. Im Schnitt enthalten sich pro Abstimmung drei Ratsmitglieder ihrer Stimme. Hier wiederum liegt mit einer Enthaltungsquote von 6,3 Prozent die GLP/EVP-Fraktion auf Platz 1, was insbesondere an René Schmidt liegt. Häufiger als Schmidt enthält sich nur noch der Fraktionsschef von SVP und EDU: Peter Scheck.

Enthaltungskönige
Wie häufig die Kantonsratsmitglieder bei Abstimmungen auf «Enthaltung» gedrückt haben:

  1. Peter Scheck, SVP (12,5%)
  2. René Schmidt, GLP (11,1%)
  3. Marcel Montanari, JF (10,3%)

Schon 2017 war Scheck der Enthaltungskönig des Schaffhauser Parlaments (siehe AZ vom 5.1.2018). Zwei Jahre später hat sich daran nichts geändert, obwohl er in den letzten beiden Jahren deutlich weniger häufig auf den Enthaltungsknopf gedrückt hat: 2017 enthielt sich Scheck noch bei fast jeder fünften Abstimmung (18,8 Prozent der Abstimmungen). Inzwischen liegt er bei 12 Prozent. Und wie schon 2017 landet auch der jungfreisinnige Marcel Montanari mit Scheck auf dem Podium. Das ist mit ein Grund, weshalb Montanari im Vergleich mit seinen freisinnigen Parteikolleginnen und -kollegen durchaus als Abweichler bezeichnet werden darf: Montanari stimmt insgesamt wie ein moderater SVP-ler statt wie ein Freisinniger.

Der Kapitalist

Ein anderer Freisinniger politisiert hingegen auf stramm liberalem Kurs: Christian Heydecker ist der grösste Kapitalist im Kantonsratssaal. Sein Mantra: Runter mit den Steuern und privatisieren, was es zu privatisieren gibt. Der Jurist lässt es sich auch nicht nehmen, dem Rest des Parlaments immer wieder die Gesetze der Wirtschaft zu erklären. Wenn SP und SVP seiner Meinung nach auf dem Holzweg sind, beispielsweise als sich beide Parteien gegen die Privatisierung des Stromkonzerns Axpo verbündeten (siehe AZ vom 31.10.2019), schiesst Heydecker mit scharfen Worten um sich: «Das ist wie in einer Bananenrepublik!» Dass Heydecker nicht viel von staatlichen Einschränkungen für die Wirtschaft hält, verwundert nicht, schliesslich verdient er sein Geld auch dank einem Mandat als Verwaltungsratspräsident einer Privatbank.

Der Linke

Heydeckers Antagonist, quasi der Robin Hood des Schaffhauser Kantonsrats, sitzt im Parlament passenderweise gleich links aussen. Matthias Frick, Kantonsrat der Alternativen Liste (AL) und Sekretär des Schaffhauser Gewerkschaftsbundes, bekämpfte die Senkung der Unternehmenssteuern und würde dem Staatspersonal gerne noch mehr Lohn auszahlen wollen. Sein Motto: Mehr Geld von reichen Firmen und Hauseigentümern abholen, um damit den Service public auszubauen, in den Ausbau von erneuerbaren Energien zu investieren und noch mehr Geld an die Armen umzuverteilen. Niemand fordert das so konsequent wie Matthias Frick. Gerne lässt sich der grösste Sozialist des Kantonsrats auch auf ein Wortgefecht mit dem grössten Kapitalisten ein: «Christian Heydecker schiesst jetzt wirklich eine Nebelpetarde nach der anderen in den Himmel», monierte Frick einst bei einer Debatte über die Pädagogische Hochschule. Gleichzeitig ist Frick mit seinen Ansichten häufig in der Minderheit. Nur bei 47 Prozent der Abstimmungen steht Frick auf der Seite der Ratsmehrheit. Zum Vergleich: CVP-Kantonsrätin Theresia Derksen gewinnt 79 Prozent der Abstimmungen, so viele wie niemand sonst.

Der Rechte

Im Gegensatz zu Heydecker und Frick ist er kein Mann der grossen Worte: Erhard Stamm, Parteipräsident der SVP-Bargen, rutschte Mitte 2017 für Pius Zehnder in den Rat nach. Reden hörte man Stamm seither selten, stattdessen sitzt er meistens still da, brummelt vielleicht etwas vor sich hin und stimmt am Ende dagegen. Konkret: Gegen eine Anpassung der Sozialhilfebeiträge an die Teuerung, gegen eine Entlastungslektion für Lehrpersonen, gegen den Naturpark, gegen ein Hospiz für todkranke Menschen. Niemand will weniger Geld für staatliche Dienstleistungen ausgeben als Erhard Stamm.

Methodik

Die zweidimensionale Kantonsratsanalyse beruht auf 264 (von total 369) ausgewählten Abstimmungen des Parlaments von Januar 2017 bis Dezember 2019. Bei jeder Abstimmung wurde festgelegt, ob sie einen ökonomischen oder einen gesellschaftlichen Konflikt widerspiegelt. Dies aufgrund folgender gängiger Kriterien:

Die gesellschaftliche Dimension widerspiegelt den Konflikt zwischen einer solidarischen, am Gemeinwohl orientierten Politik und einer auf Selbstverantwortung und vielen individuellen Freiheiten basierenden Grundhaltung. Wer strikt für den Erhalt oder Ausbau von staatlichen Leistungen in den Bereichen Bildung, Kultur, Soziales und Umweltschutz gestimmt hat, findet sich am linken Rand wieder.

Die ökonomische Dimension zeigt den Konflikt zwischen freier Marktwirtschaft und regulierenden Eingriffen des Staates oder des Stimmvolks. Wer alle staatlichen Interventionen in die Wirtschaft abgelehnt, Privatisierungen befürwortet und demokratische Kontrollorgane so weit wie möglich abbauen wollte, findet sich am oberen Rand wieder. Weil sich beide Dimensionen teilweise überschneiden, ist es kaum möglich, Positionen in den Ecken oben links und unten rechts einzunehmen.

Jedes Kantonsratsmitglied erhielt pro Abstimmung entweder den Wert -1, 0 (Enthaltung) oder +1. Abwesenheiten wurden nicht gewertet. So kam Christian Heydecker auf einen Wert von 59 auf der ökonomischen Skala. Dieser Wert wurde danach durch die Anzahl Abstimmungen dividiert, an denen die Person teilgenommen hat (also entweder Ja oder Nein gestimmt oder sich enthalten hat). Daraus resultiert für Heydecker der Wert von +0.67 auf der ökonomischen Skala. Irrelevante Abstimmungen wie jene über Geschäftsberichte kantonaler Behörden wurden aussortiert.

Dieses Ranking erschien am 3. Januar 2020 in der «Schaffhauser AZ».

Kein Geld mehr für den Nachwuchs

Kein Deutschschweizer Kanton gibt weniger Geld für den Sport aus als Schaffhausen. Jetzt streicht der Kanton auch noch die Beiträge an junge Athletinnen und Athleten. 

«Es ist uns bewusst, dass wir uns damit nicht nur Freunde machen», sagt Fredi Meyer und legt eine kurze, nachdenkliche Pause ein. «Wir haben das nicht gerne gemacht.» Aber: «Die Mittel sind begrenzt.»

Bisher hat der Kanton Schaffhausen junge, einheimische Spitzensportlerinnen und -sportler, beziehungsweise deren Eltern, mit Beiträgen von ein paar wenigen Tausend Franken pro Jahr unterstützt. Konkret hat er im Jahr 2018 22 Nachwuchshoffnungen mit insgesamt knapp 60 000 Franken aus dem kantonalen Sportfonds unter die Arme gegriffen.

Jetzt aber fliesst kein Geld mehr. Das hat der Schaffhauser Regierungsrat entschieden. Der Antrag auf Streichung der Beiträge an die Eltern kam von der Sportfonds-Kommission des Kantons und ihrem Präsidenten Fredi Meyer. 

Hohe Kosten für die Eltern

Letztes Wochenende in Biel: Lukas Britschgi wird zum zweiten Mal hintereinander Schweizer Meister im Eiskunstlauf. Nun träumt der 21-Jährige von einer Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Peking 2022. 

Dass der junge Eiskunstläufer Talent hat, weiss auch die Sportfonds-Kommission. Sie hat ihn deshalb 2018 wie 21 andere junge einheimische Sportlerinnen und Sportler mit einem kleinen finanziellen Beitrag unterstützt.

Zu den Nachwuchshoffnungen, die vom Kanton gefördert wurden, gehört auch Tatiana Miccoli. Die 19-jährige Taekwondo-Sportlerin hat im Mai an den Weltmeisterschaften in Manchester teilgenommen. Ihr Ziel sind die Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris. Für 2020 habe es noch nicht gereicht, sagt ihr Vater Moreno Miccoli. Damit es mit der Olympia-Teilnahme klappt, müsse Tatiana an internationalen Turnieren in Europa und der ganzen Welt teilnehmen. Das System funktioniere ähnlich wie beim Tennis: Kämpfe bestreiten und Punkte sammeln, um auf der Weltrangliste vorwärtszukommen. «Das kostet viel Geld. Die Reisekosten betragen mehrere Tausend Franken pro Turnier», sagt der Vater. Ohne die Unterstützung des Kantons werde es sicher schwieriger, alles bezahlen zu können, meint Moreno Miccoli.

Auch die Familie Russenberger hat 2018 Beiträge vom Kanton erhalten. Gleich zwei Kinder der Russenbergers betreiben Spitzensport (Wanja/Radsport und Noëlle/Kunstrad). Die Mutter Nicole Russenberger sagt: «Der Beitrag des Kantons ist ein kleiner Zustupf, über den wir sehr froh sind.» Reisekosten, Velos, Material und Lager kosten mehrere Tausend Franken im Jahr. Nicole Russenberger meint deshalb: «Es ist schade, wenn es diese Unterstützung nicht mehr gibt. Es darf nicht sein, dass nur noch Kinder von vermögenden Eltern Spitzensport betreiben können.»

Abkehr vom «Giesskannen-Prinzip»

Warum hat die Sportfonds-Kommission bei der Regierung beantragt, die Beiträge an die Eltern zu streichen?

Mehrere Gründe habe es dafür gegeben, sagt Kommissionspräsident Fredi Meyer. Erstens habe die Vergabe der Beiträge bisher nach folgendem Prinzip funktioniert: Wer wusste, dass es diese Art der Unterstützung gibt, stellte ein Gesuch, dem die Kommission in der Regel, gemäss internen Kriterien, zugestimmt habe. Wer allerdings nichts von dieser Möglichkeit wusste und keinen Antrag stellte, habe auch kein Geld erhalten. Hätten aber noch mehr Eltern mit berechtigten Ansprüchen ein Gesuch eingereicht, hätte die Kommission ein Problem bekommen, sagt Fredi Meyer: «Um alle zu unterstützen, reichen die Mittel des Sportfonds nicht aus. Und nur Einzelnen zu helfen sehen wir als unfair an.»

Es werde aber nach wie vor eine Nachwuchsförderung durch den Sportfonds geben, sagt Meyer. Die Kommission will ein neues Konzept entwickeln, wie die Gelder des Sportfonds zukünftig verteilt werden sollen. «In Zukunft könnten zum Beispiel vermehrt Projekte, Vereine und Leistungszentren statt einzelne Sportlerinnen und Sportler unterstützt werden.»

Zweitens gebe es kaum mehr Kantone, die eine solche individuelle Nachwuchsförderung mittels Beiträgen an die Eltern gewähren. Das liege auch daran, dass der Verband Swiss Olympic empfohlen habe, dass die Kantone nicht mehr nach dem «Giesskannen-Prinzip» einzelne Sportlerinnen und Sportler fördern, sondern vermehrt die Infrastruktur unterstützen. 

Ist also Swiss Olympic (der Dachverband des Schweizer Sports und auch das Nationale Olympische Komitee der Schweiz) daran mitschuldig, dass die Eltern von Kindern, die vielleicht dereinst die Schweiz an Olympischen Spielen vertreten werden, keine Gelder mehr vom Kanton erhalten?

«Nein, dem ist nicht so», sagt Alexander Wäfler, Leiter Medien und Information von Swiss Olympic. «Die Erfahrung von Swiss Olympic zeigt jedoch, dass es effizienter ist, wenn die direkte finanzielle Unterstützungen für nationale Top-Athletinnen und Top-Athleten, die im Elite-Alter und auf dem Weg an die Weltspitze sind, von nationalen Institutionen erbracht wird. Nachwuchstalente mit internationalem Potenzial sollten finanziell ebenfalls national unterstützt werden.» Die Hauptaufgaben der Kantone sieht Swiss Olympic hingegen «in der Optimierung der Rahmenbedingungen, etwa im Bereich der Infrastruktur sowie der Förderung der regionalen und nationalen Leistungszentren, insbesondere durch die Unterstützung der Nachwuchstrainerinnen und -trainer». Die direkte finanzielle Unterstützung an Eltern von jungen Athletinnen und Athleten gehöre nicht zum Aufgabenbereich von Swiss Olympic. Wäfler verweist stattdessen an die Schweizer Sporthilfe, die Athletinnen und Athleten direkt unterstützt. 

Die Schweizer Sporthilfe wiederum sagt, man könne nicht alle jungen Sportlerinnen und Sportler unterstützen. «Auch unsere Mittel sind nicht unbeschränkt», sagt Mediensprecherin Nadja Venetz. Daher begrüsse es die Sporthilfe grundsätzlich, wenn auch die öffentliche Hand einen Beitrag an die Athletinnen und Athleten leistet.

Einige junge Schaffhauserinnen und Schaffhauser wie Tatiana Miccoli sind bei der Sporthilfe dabei, die grosse Mehrheit der Athletinnen und Athleten, die 2018 Beiträge vom Kanton erhalten haben, hingegen nicht. 

Sportfonds-Mittel für die reichen Kadetten 

Nun stellt sich allerdings die Frage: Hat es im Sportfonds des Kanton Schaffhausen tatsächlich kein Geld mehr für die Elternbeiträge? Oder ist es einfach eine Frage der Prioritäten?

850 000 Franken hat der Kanton 2018 für den Sport ausgegeben, unter anderem für Sportmaterial. Beiträge erhielten beispielsweise die Schaffhauser Hornussergesellschaft, der Ruderclub Schaffhausen – und die Kadetten.

Ausgerechnet die Kadetten, die vom reichsten Schaffhauser Giorgio Behr gesponsert werden, erhalten einen Beitrag aus dem Sportfonds?

Kommissionspräsident Fredi Meyer sagt: «Es ist in der Kommission immer wieder ein Thema, ob der Profisport unterstützt werden soll.» Aber: «Die positiven Wirkungen des Spitzensports auf den Breitensport sind unbestritten, darum ist dessen Unterstützung indirekt auch eine Unterstützung der Basis. Diese Gelder sollen auch bewusst für die Nachwuchsabteilungen eingesetzt werden.» Ausserdem schliesse das Sportfondsreglement die Unterstützung des Profisports nicht aus. «Wenn wir das tun würden, wäre das Willkür», sagt Meyer. Weiter sei es auch ein Entscheid aufgrund politischer Regierungs- und Repräsentationspflichten: «Man kann nicht an eine Meisterfeier der Kadetten gehen, ohne ein Geschenk dabeizuhaben. Unsere regionalen Spitzensportler und Vereine tragen den Namen Schaffhausen in die weite Welt, und dies ist unterstützungswürdig.»

Im Kantonsvergleich abgeschlagen

Unabhängig davon, wer Gelder aus dem Sportfonds erhält, ist auch klar: Allgemein zeigt sich der Kanton Schaffhausen bei der Sportförderung knausrig. 

Der kantonale Sportfonds wird mit Abgaben von Swisslos, dem Lottospielanbieter in der Deutschschweiz, gespiesen. Allerdings fliessen nicht alle Gelder von Swisslos in den Sportfonds, der Kanton teilt die Gelder vor allem dem sogenannten Lotteriefonds zu, mit dem unter anderem kulturelle und soziale Projekte mitfinanziert werden. Konkret fliessen 82 Prozent der Gelder in den Lotteriefonds, nur 18 Prozent in den Sportfonds. Das ist schweizweit einer der tiefsten Werte, kein einziger Deutschschweizer Kanton liegt darunter. Einzig die Westschweizer Kantone geben mit 16,7 Prozent noch etwas weniger für den Sport aus. 

Diese Zahlen kennt auch Fredi Meyer. «Ich weiss, dass wir am Schwanz der Rangliste stehen. Das ist so.» Mittelfristig könne es für die Kommission deshalb durchaus eine Option sein, bei der Regierung einen Antrag zu stellen, damit der Anteil für den Sport erhöht wird.

Der zuständige Regierungsrat Christian Amsler scheint dafür offen zu sein: «Wir werden uns Gedanken machen, ob wir in Zukunft am Schaffhauser Verteilschlüssel eine kleine Änderung vornehmen wollen», sagt er.

Fredi Meyer sagt aber auch: Man müsse sich klar sein, dass bei einer Erhöhung des Anteils der Lottogelder für den Sport vielleicht andernorts Abstriche gemacht werden müssten. «Es ist wie oft ein Verteilkampf.»

Dieser Artikel erschien am 12. Dezember in der «Schaffhauser AZ».

Angst vor dem grünen Stimmvolk

Die SVP lässt ihre Anti-Windkraft-Initiative ruhen.

«Keine Grosswindanlagen gegen den Willen der Schaffhauser Bevölkerung». Mit diesen Worten kündigte die Schaffhauser SVP im Februar 2018 die sogenannte Mitbestimmungsinitiative an. Die Initiative verlangte, dass die Stimmberechtigten des Kantons Schaffhausen und der von einer Windanlage betroffenen Gemeinde «obligatorisch über die Erstellung von Grosswindanlagen sowie anderen, landschaftsprägenden Energieanlagen» entscheiden müssen. Auslöser dafür waren vier vom Schaffhauser Elektrizitätswerk und von SH Power geplante Windräder auf dem Chroobach bei Hemishofen. Die Windräder sollen rund 200 Meter hoch werden und Strom für über 8000 Personen liefern.

Nun, eineinhalb Jahre später, wurde diese Initiative immer noch nicht beim Kanton eingereicht. Das bestätigt die Staatskanzlei gegenüber der AZ. Auf Nachfrage sagt Josef Würms, Mitinitiant und SVP-Kantonsrat aus Ramsen: «Wir lassen die Initiative ruhen.» Man müsse davon ausgehen, dass die Stimmbevölkerung des Kantons, insbesondere jene der Stadt Schaffhausen, die Initiative ablehnen werde, sagt Würms. Das habe sich bei der Abstimmung über den Naturpark gezeigt.

Die Stadt hatte dem Parkgesetz am 17. November deutlich zugestimmt und war damit massgeblich mitverantwortlich, dass das Gesetz kantonsweit angenommen wurde. Die Mehrheit der Landgemeinden hatte das Parkgesetz hingegen abgelehnt. 

Würms will den Kampf deshalb aber nicht aufgeben. Er zeigt sich weiterhin optimistisch, dass sich die geplanten Windräder bei Hemishofen verhindern lassen. Damit die Anlagen gebaut werden können, müsste die Gemeinde einer Umzonung des entsprechenden Areals zustimmen. Dass es dazu kommen wird, bezweifelt Würms.

Dieser Text erschien am 5. Dezember in der «Schaffhauser AZ».

Deutschland verkauft den Güterbahnhof

Die SBB werden alleinige Besitzerin des Güterbahnhofs und wollen das Areal entwickeln. Laut einem Experten könnten Wohnungen für 2000 Personen gebaut werden.

Es ist ein Ort mit Symbolkraft. Er steht für grosse Träume genauso wie für die harte Realität: Der Schaffhauser Güterbahnhof, seit fast 30 Jahren praktisch stillgelegt, scheint längst aus der Zeit gefallen zu sein und lebt trotzdem immer noch irgendwie weiter. Vermutlich deshalb, weil er für seine beiden grossen Besitzerinnen, Deutschland und die SBB, lange Zeit zu unbedeutend war, als dass man sich um ihn hätte kümmern müssen. 

Vor 50 Jahren indes war der Schaffhauser Güterbahnhof bedeutender Teil einer grossen Vision des langjährigen Schaffhauser Stadtpräsidenten, Nationalrates und Verwaltungsrates der SBB, Walther Bringolf. Er wollte aus der Munotstadt einen internationalen Dreh- und Angelpunkt im Güterverkehr machen. Jahrelang weibelte er für einen Ausbau des Güterbahnhofs, der in den 60er-Jahren an seine Kapazitätsgrenzen stiess. Doch der Neubau, der schliesslich im September 1975 eingeweiht wurde, stand unter keinem guten Stern. Die Erdölkrise von 1973 hatte Schaffhausen und Europa gebeutelt, der Handel brach ein. Ende der 80er-Jahre setzte dann bereits der Niedergang des für rund 60 Millionen Franken ausgebauten Güterbahnhofs ein. Das auch deshalb, weil die Georg Fischer AG ihre Giesserei von Schaffhausen nach Singen verlegte.

Schliesslich wurde fern von Schaffhausen entschieden, dass der Güterverkehr auf der Schiene vermehrt via Basel von und nach Italien verkehren sollte. Anfang der 90er-Jahre wurde der Güterbahnhof von den SBB weitgehend stillgelegt. Auf dem Areal kehrte Ruhe ein. Wo sich einst die Güterverwaltungen von SBB und DB, Schweizer und deutscher Zoll sowie acht Speditionsfirmen mit dem Verladen von diversen Gütern beschäftigten, gibt es heute noch ein Brockenhaus, einige Büros der Verkehrspolizei und ein paar weitere Sitzungszimmer. Dazu passt: In einem dieser Zimmer fanden einst Bewerbungskurse für Arbeitslose statt. Doch inzwischen scheint es nicht mal mehr das zu geben. Oder wie es die Stadt formuliert: Beim Güterbahnhof «bestehen Zwischennutzungen und Leerstände».

SBB: Kein Weiterverkauf geplant

Ein Problem: Es gibt zwei Besitzerinnen, die sich das Areal teilen. 35 Prozent des fast 100 000 Quadratmeter grossen Geländes gehören Deutschland, konkret dem Bundeseisenbahnvermögen BEV. Die restlichen 65 Prozent besitzen die SBB. Für keine der beiden Eigentümerinnen schien eine neue Entwicklung des Schaffhauser Güterbahnhofs in den vergangenen Jahrzehnten Priorität zu haben, zumal Absprachen über die Landesgrenzen hinaus naturgemäss die bürokratischen Wege erheblich verlängern. Und es fehlte der politische Druck. 

Schliesslich zwang die Schweizer Stimmbevölkerung 2013 mit der Zustimmung zum Raumplanungsgesetz die SBB als grösste Grundbesitzerin der Schweiz, die innere Verdichtung voranzutreiben. Jetzt, sechs Jahre später, erhält die Entwicklung des Güterbahnhofs neuen Schub. Nachdem die SBB vor einem Jahr bekannt gegeben haben, das gesamte Areal erwerben zu wollen, ist der Kauf nun praktisch unter Dach und Fach. Das Bundeseisenbahnvermögen BEV schreibt auf Nachfrage der AZ, dass die Verhandlungen mit den Schweizer Behörden abgeschlossen seien. Der Kaufvertrag sei bereits vom Bundesamt für Verkehr genehmigt worden. Auch über den Preis seien sich «beide Partner einig». Das heisst konkret: «Wir erwarten den baldigen Vertragsschluss», wie das BEV schreibt. Die SBB bestätigen, dass sie die 35 Prozent von Deutschland erwerben. Über den Kaufpreis werden keine Angaben gemacht. 

Stellt sich die Frage: Was machen die SBB mit dem Areal? Die Grundstückspreise in den Städten stiegen in den letzten Jahren markant an. Die SBB wussten das zu nutzen und machten mit Landverkäufen kräftig Geld. Gemäss dem Sonntagsblick haben die SBB von 2007 bis 2017 Land und Immobilien im Wert von über 1,5 Milliarden Franken verkauft. Planen die SBB nach dem Kauf des Güterbahnhofs den Weiterverkauf des Areals?

Nein, schreiben die SBB. Man wolle das Areal im Eigentum behalten, könne sich aber vorstellen, «je nach Projektentwicklung Arealteile im Baurecht abzugeben».

Klar ist: Das weitgehend brachliegende Güterbahnhofareal hat für die Stadt Schaffhausen «grosses Entwicklungspotenzial». Das sagt der Experte Hans-Georg Bächtold. Der frühere Kantonsplaner von Basel-Landschaft hat bei der Entwicklung von ähnlichen Arealen in der Nordwestschweiz bereits mit den SBB zusammengearbeitet. Er schätzt, dass auf dem Gelände des heutigen Güterbahnhofs «Wohnungen für 2000 Personen gebaut und attraktive, verbindende Freiräume gestaltet werden könnten». Die zentrale Lage des Areals sei ein enormer Standortvorteil. Auch für den Bau von Hochhäusern sieht Bächtold das Gebiet als geeignet: «Der Schattenwurf ist beim Güterbahnhof nicht so problematisch.» Auch die Aussicht von anderen Gebäuden würde vergleichsweise wenig gestört.

Eine geheime Studie

Auch die Politik machte sich schon Gedanken, was aus dem Güterbahnhof werden soll. 2010 reichte AL-Politiker Simon Stocker einen politischen Vorstoss ein und wollte vom Stadtrat wissen, ob er bereit sei, «einen Prozess zur Umnutzung des Güterbahnhofs anzustossen». Der damalige Baureferent Peter Käppler (SP) sagte, Stocker renne mit seinem Vorstoss «offene Türen» ein, und kündigte eine Potenzialstudie an, die «im Laufe des Frühlings 2011» der Öffentlichkeit präsentiert werden sollte.  

Seither sind acht Jahre vergangen. In der Zwischenzeit schossen hinter dem Bahnhof auf dem Bleicheareal oder im Mühlental neue Gebäude gen Himmel. Auf dem Güterbahnhof hingegen geschah: nichts. 

Simon Stocker, mittlerweile längst selber Mitglied des Stadtrats, weiss nicht, was aus besagter Studie geworden ist, und verweist an das Baureferat. Im Chefsessel dieses Referats kam es seither zu zwei Rochaden. Inzwischen sitzt dort Katrin Bernath (GLP), die besagte Studie mit dem Verweis darauf, sie diene als Grundlage für eine «laufende Entwicklung», nicht herausgeben will. 

Eine Vorstellung, was auf dem Güterbahnhof einmal entstehen soll, hat die Stadt aber schon einmal publik gemacht. Gemäss dem Anfang Jahr vom Stadtrat genehmigten Richtplan werden auf dem Gelände 30 Prozent Wohnungen und 70 Prozent Arbeitsplätze angestrebt. 

Diese Angaben seien für die SBB «im Sinn eines langfristigen Ziels realistisch und sinnvoll». Für konkrete Aussagen zur künftigen Nutzung und zur Anzahl geplanter Wohnungen sei es indes noch zu früh. Grundsätzlich aber streben die SBB «in all ihren Arealentwicklungen eine enge Zusammenarbeit mit den jeweiligen Städten und Kantonen an», so auch in diesem Fall. Man wolle «einen Beitrag zur städtebaulichen Entwicklung des Gebiets und der Stadt Schaffhausen leisten». 

Nicht unbeteiligt ist auch der Kanton. Baudirektor Martin Kessler (FDP) sagt: «Die SBB, die Stadt Schaffhausen und der Kanton haben beschlossen, das Güterverwaltungsareal mittelfristig städtebaulich gemeinsam zu entwickeln.» Abklärungen für einen möglichen Rahmenplan seien bereits gemacht worden. «Der Landverkauf ermöglicht die nächsten Schritte», sagt Kessler. Der Baudirektor schliesst zudem nicht per se aus, Teile des Areals selber zu erwerben: «Grundsätzlich ist der Kanton an einer Entwicklung dieser sehr zentralen Lage interessiert. Falls ein Angebot der SBB käme, würde der Kanton dies prüfen.»

Bis die letzte Stunde des Güterbahnhofs geschlagen hat, dürfte es allerdings noch ein paar Jahre dauern. Laut Richtplan der Stadt hat der Güterbahnhof nur die Priorität 2 (mittelfristig). Fünf Projekte – Mühlental, Rheinufer-Ost, Herblingertal, Ebnat-West und Grubenquartier – sind laut Richtplan dringender. Dem Güterbahnhof bleibt eine letzte Gnadenfrist. 

Dieser Artikel erschien am 5. Dezember in der «Schaffhauser AZ».

SVP Beggingen schlägt SVP Oberhallau

Der regionale Naturpark Schaffhausen soll die Wirtschaft im ländlichen Raum fördern. Ausgerechnet die Partei vom Land, die SVP, tut sich damit schwer.

Manch eine Partei gibt sich Mühe, gegen Aussen einen möglichst geschlossenen Auftritt an den Tag zu legen. Sie wissen weshalb: Die Medien stürzen sich besonders gerne auf Abweichlerinnen und Abweichler. Findet ein Journi gar einen SVPler, der sagt, er lehne die Durchsetzungsinitiative der eigenen Partei ab, hat er den Jackpot geknackt. Der einstige CVP-Präsident Christophe Darbellay forderte von seinen Parteimitgliedern deshalb schon: «Entweder dahinterstehen oder schweigen».

Die Schaffhauser SVP hingegen scheint auf innerparteiliche Auseinandersetzungen spezialisiert und zelebriert sie bisweilen mit einem Zwinkersmiley. Das zeigte sich am Montagabend, als die Parteimitglieder über das Parkgesetz entschieden. Das Parkgesetz soll sicherstellen, dass dem regionalen Naturpark Schaffhausen, dem 15 Gemeinden von Rüdlingen bis Thayngen angehören, auch ab 2020 jährlich kantonale Subventionen in der Höhe von etwa 300’000 Franken zufliessen.

Ex-Parteipräsident Pentti Aellig wird nach dem Parteitag ein Foto twittern, das ihn, den Parkgesetz-Gegner, zwischen den Befürwortern Philippe Brühlmann und Ernst Landolt am Tisch sitzend zeigt. Die beiden Befürworter halten Aelligs Arme fest umklammert. Aellig schreibt dazu: «SVP-Parolenfassung Naturpark Schaffhausen. 15 Ja, 47 Nein, obwohl Regierungsratspräsident Landolt und Gemeindepräsident Brühlmann Pentti Aellig daran hindern wollten, Nein zu stimmen». Alle drei scheinen sie Spass bei der Sache zu haben und grinsen, wenn auch teils etwas gequält, in die Handykamera.

Das SVP-Fegefeuer

Dass der regionale Naturpark die SVP spaltet, zeigte sich schon im Mai bei der Debatte im Kantonsrat. Etwas mehr als die Hälfte der SVP lehnte das Parkgesetz ab und bewirkte damit die Volksabstimmung, die am 17. November ansteht.

Kritiker wie SVP-Parteipräsident Walter Hotz stellen infrage, ob es den Naturpark überhaupt braucht und üben Fundamentalkritik: «Subventionen, das ist das süsse Gift des Staates», sagte Hotz im Mai.

Die Befürwortenden hielten sich indes nicht zurück. Virginia Stoll, Kantonsrätin aus Wilchingen, stimmte dem Parkgesetz zu und sagte, sie sei sich bewusst, dass sie mit dieser Haltung innerhalb der SVP «nicht in den Himmel, sondern ins Fegefeuer» komme.

So war man denn gespannt, wie hoch die Fetzen fliegen, wenn die Parteibasis über den Naturpark diskutiert und sich für eine Ja- oder Nein-Parole entscheiden muss.

Einer geht schon

Es ist Montagabend, draussen vor dem Restaurant Schützenhaus auf der Breite, kurz vor acht Uhr abends. Es fieselet. Während Kantonsrat Samuel Erb schnellen Schrittes mit einem grossen Nein-Plakat unter dem Arm geklemmt ins Schützenhaus marschiert, gönnt sich Erich Schudel noch eine Zigarette. Schudel, einziger Kantonsrat der Jungen SVP, wird später vor der Basis die Nein-Parole vertreten. Eine Einschätzung, wie es ausgehen wird, will er noch nicht abgeben. «Es kommt darauf an, welches Lager mehr mobilisiert», sagt er.

«Mit einem Nein verhindert ihr den Naturpark nicht».
Peter Scheck.

Derweil macht sich einer bereits aus dem Staub: SVP-Fraktionschef Peter Scheck verlässt das Schützenhaus. Die Fraktionssitzung hat er bereits hinter sich. Nun hat er offensichtlich keine Lust mehr auf die anstehende Diskussion. Das lässt Scheck durchblicken, ohne das so wortwörtlich zu sagen. Im Kantonsrat hatte sich Scheck noch der Stimme enthalten, er wäre also für beide Lager eine potentielle Stimme. «Mit einem Nein verhindert ihr den Naturpark nicht», schiebt der Fraktionschef noch an Parteikollege Schudel nach und bläst den Dampf seiner E-Zigi in die nasskalte Luft. Dann ist er weg.

Drinnen, im grossen, warmen Saal im ersten Stock, verteilt Denise Graf Propagandamaterial für den Gaumen: Glacebecher mit den Sorten Wiiguetzli und Traube, natürlich ausgestattet mit dem Naturpark-Label. Selbst die Gegnerinnen und Gegner greifen zu. Unter anderem, weil noch einige am Glaceschlecken sind, verzögert sich der Beginn der Parteiversammlung. Untypisch. Mit 15-minütiger Verspätung begrüsst Parteipräsident Walter Hotz schliesslich die anwesenden Mitglieder und «die allseits beliebte AZ» (Gelächter im Saal). Dann beginnt das Wortgefecht.

SVP Oberhallau dafür

«Du hast genau 15 Minuten Zeit», sagt Walter Hotz, als Hansueli Graf nach vorne schreitet. Der 57-jährige Schnauzträger ist Kantonsrat und Gemeindepräsident der 444-Seelen-Gemeinde Oberhallau. Er weibelt für die Ja-Parole.

Hansueli Graf, SVP Oberhallau. Foto: SVP SH.
Hansueli Graf, SVP Oberhallau. Foto: SVP SH.

Der Naturpark biete «ganz en Huufe Highlights», sagt Graf: Er erwähnt die zahlreichen Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung und die Chance zur besseren Vermarktung von Schaffhauser Produkten. Schliesslich sei der Naturpark «eigentlich Wirtschaftsförderung für den ländlichen Raum». Er müsste «Natur- und Wirtschaftsförderungspark» heissen, sagt Graf. 173 Produkte wie Würste und Weine seien bereits mit dem Naturpark-Label zertifiziert worden, fünf davon hätten es bereits in den Coop geschafft.

Detailliert zählt Graf auch die Ziele des Naturparks auf, darunter die «Erhaltung und Aufwertung von Natur und Landschaft», eine stärkere regionale Wertschöpfung – «damit das Geld in der Region bleibt», sagt Graf – und eine bessere einheimische Energieversorgung, beispielsweise durch Biomasse. Das entspreche auch dem Parteiprogramm der SVP, sagt Graf und zitiert aus dem Dokument: «Die SVP begrüsst die private Forschung und Realisierung von Projekten im Bereich neuer erneuerbarer Energien wie Erdwärme, Wind- und Solarenergie sowie Biomasse…» – Graf legt eine ganz kurze Pause ein – «… ohne neue Subventionen oder Abgeltungen.»

«Jo genau», brummt ein Parteimitglied leise aber doch deutlich hörbar vor sich hin.

Graf fährt fort und kommt zum einen Thema, das die Oberhallauerinnen und Oberhallauer schon seit Jahren beschäftigt: ihr heiliges Bergrennen.

Vor sieben Jahren befürchtete man, ein Beitritt zum Naturpark bedeute das Aus für das Oberhallauer Bergrennen, weil einem der gesunde Menschenverstand sagt: Autorennen durch einen Naturpark, das passt irgendwie nicht so ganz zusammen. Die Gemeindeversammlung lehnte einen Beitritt zum Naturpark deshalb ab (siehe auch AZ vom 21.4.2016). 2016 ist Oberhallau doch noch dem Naturpark beigetreten, das Bergrennen findet immer noch statt und werde auch in Zukunft nicht verboten, sagt der Oberhallauer Gemeindepräsident Graf: «Das Bergrennen ist Kulturgut geworden».

Am Ende hat Graf sieben Minuten überzogen, worauf ihn Parteipräsident Hotz sogleich aufmerksam macht.

SVP Beggingen dagegen

14 Autominuten nördlich von Grafs Gemeinde, in Beggingen, leben 32 Einwohnerinnen und Einwohner mehr als in Oberhallau. Und vor allem leben dort mehr Naturpark-Gegner. Die Gemeinde, die den höchsten Steuerfuss des Kantons hat und pro Kopf am meisten Finanzausgleich-Gelder kassiert, leistet erbitterten Widerstand gegen den Naturpark. Einen Beitritt hat sie als einzige Klettgauer Gemeinde neben Siblingen bis heute abgelehnt. Dabei könnte vielleicht gerade Beggingen ein Wirtschaftsförderungsprojekt vertragen.

Aus Beggingen kommt auch Erich Schudel, 35-jährig, Postangestellter, Parteipräsident der Ortssektion. Vor seinen Parteikolleginnen und -kollegen sagt Schudel, man habe bis jetzt schon sehr viel Geld für den Naturpark ausgegeben. Die Zahlen für die nächsten zehn Jahre rechnet er gleich hoch: 3 Millionen vom Kanton, 5-6 Millionen vom Bund. Und er kritisiert: Davon sollen bis 2027 4,3 Millionen Franken nur für «Management und Kommunikation» ausgegeben werden. «Ja, für die Kommunikation wird viel Geld ausgegeben, das sieht man ja zurzeit in den Zeitungen», sagt Schudel in Anspielung auf Inserate, die für ein Ja am 17. November werben.

Erich Schudel, SVP Beggingen. Foto: SVP SH.
Erich Schudel, SVP Beggingen. Foto: SVP SH.

Schudel erinnert auch daran, was der Naturpark angekündigt habe: Bis 2016 hätte ein sogenanntes «Schaffhauser Haus» aus lokalen Baumaterialien stehen sollen. «Das Thema ist heute noch offen», sagt Schudel.

«Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist unter aller Kanone».
Erich Schudel.

Und der Begginger warnt: Es werde Auflagen geben. Die Gemeinden müssten zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um auch in Zukunft im Naturpark dabeibleiben zu können. Sein Fazit: «Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist unter aller Kanone». Es würde mehr bringen, wenn der Kanton mit den 300’000 Franken «einfach irgendwelche Betriebe subventionieren würde».

Der Regierungsrat schweigt

Die Diskussion ist eröffnet. Als erster meldet sich Ex-Parteipräsident Pentti Aellig zu Wort. «Ich habe gelesen, die Projekte seien sehr erfolgreich und in den Gemeinden sei die Steuerkraft angestiegen», sagt Aellig. «Wenn etwas so erfolgreich ist, dann braucht es auch keine Förderung. Für mich ist der Naturpark ein reiner Subventionsjäger».

Aellig kritisiert auch, dass bei einem Nein geplant sei, das Geld einfach weiterhin aus dem Generationenfonds zu entnehmen. «Das ist etwas, das mich auf die Palme bringt. Ich finde es unfair, den Generationenfonds zu plündern.» Die grosse Mehrheit der knapp 70 anwesenden Parteimitglieder quittiert seine Rede mit Applaus.

Nacheinander melden sich drei weitere Gegner, die von einer «Geldvernichtungsorganisation» und «Volksverarschung» sprechen und ihre «Steuergelder verdampfen» sehen. Ein weiterer Begginger, Gemeindepräsident Peter Werner, warnt: Es könne auch teurer werden als 300’000 Franken pro Jahr.

Das Parkgesetz sieht in der Tat vor, dass der Kanton sich dazu verpflichtet, die Beiträge der Gemeinden um das 2,5-fache aufzustocken. Aktuell zahlen die Gemeinden 120’000 Franken, der Kantonsbeitrag liegt also bei 300’000 Franken. Den Betrag zu deckeln, lehnte der Kantonsrat explizit ab, damit ein Spielraum bestehen bleibt.

«Wir sind ein Volk von Subventionsbezügern geworden!»
Arnold Isliker.

Als nächster meldet sich der Neuhauser Kantonsrat Arnold Isliker. Er spannt einen weiten Bogen und bringt den sogenannten Flüsterbelag auf Strassen ins Spiel, den man auch in Neuhausen verwende, weil man damit noch Gelder aus Bundesbern abholen könne. «Wir sind ein Volk von Subventionsbezügern geworden!», bilanziert er.

Die Befürworterinnen und Befürworter sind deutlich in der Minderheit. Der zuständige Regierungsrat Ernst Landolt, der sich auf einem Flyer des Naturparks für ein Ja ausspricht, wird sich den ganzen Abend über nicht zu Wort melden. Vielleicht, weil ihm sein eigener Parteipräsident in einem an diesem Montag eingereichten politischen Vorstoss «Behördenpropaganda» vorwirft.

Schliesslich weibelt der Thaynger Gemeindepräsident Philippe Brühlmann für ein Ja: «Ich bin eigentlich auch ein Kritiker gewesen», sagt er, aber: «Der Park ist da, so oder so. Jetzt müsst ihr das ausnutzen wie es nur geht.» Seine Gemeinde bezahle jährlich 22’000 Franken, habe aber «fast das Vierfache herausgeholt».

Ein anderes Parteimiglied sieht das gar nicht so: «Da isch es Schlimmschte für en SVPler, wäme ghört, mir holed Gäld ab!»

Auch Kantonsrat Thomas Stamm kann mit seinem Vorschlag, Stimmfreigabe zu beschliessen, keinen Punkt landen. Samuel Erb kontert sogleich: «Stimmfreigabe, das machen die Linken, aber nicht wir.» Erneut brandet im Saal Applaus auf.

Einen letzten Versuch, die Versammlung von einem Ja zu überzeugen, unternimmt Virginia Stoll. Ein Nein zum Naturpark sei auch ein Nein zum ländlichen Raum: «Das steht der SVP schlecht an», wirft sie ein. Erfolglos. Das Resultat der Abstimmung ist eindeutig. Die SVP, die auf dem Schaffhauser Land so stark ist wie alle anderen Parteien zusammen, lehnt das Wirtschaftsförderungsprojekt für den ländlichen Raum ab.

Parteipräsident Walter Hotz schliesst das Traktandum Naturpark mit der Bemerkung: «Ich habe befürchtet, dass es hitziger zu und her geht». Gegen 22 Uhr ist der Parteitag schliesslich zu Ende. Die grösste Überraschung: Nicht ein einziges Mal wurde die EU erwähnt.

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Fast 5 Millionen Franken von Kanton und Bund

Der regionale Naturpark Schaffhausen wurde seit Beginn der Planungen im Jahr 2009 bis heute mit 1,8 Millionen Franken vom Kanton (aus dem Generationenfonds) sowie drei Millionen Franken vom Bund unterstützt. Diese Zahlen gibt Patrick Schenk, Leiter der Geschäftsstelle für Regional- und Standortentwicklung, auf Anfrage der AZ bekannt. Wird das Parkgesetz angenommen, wird der Naturpark laut Abstimmungsmagazin künftig «verbindlicher und dauerhafter» mitfinanziert.

Die Gelder von Kanton und Bund machten laut Angaben des Naturparks im Jahr 2018 74 Prozent des Jahresbudgets des Vereins aus. Hinzu kommen Gemeindebeiträge (11 Prozent), Mitgliederbeiträge (1 Prozent) sowie Projekteinnahmen (14 Prozent).

Eine gekürzte Version dieses Artikels erschien am 31. Oktober in der «Schaffhauser AZ».