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Dividende und Kurzarbeit

Umstrittene Praktiken bei Phoenix Mecano und Georg Fischer

Die Technologiefirma Phoenix Mecano hat wegen der Coronakrise an mehreren Standorten Kurzarbeit eingeführt. Am Hauptstandort in Stein am Rhein gilt seit Anfang April Kurzarbeit. Das bestätigt CEO Rochus Kobler gegenüber der AZ. Phoenix Mecano stellt unter anderem Industriegehäuse und elektromechanische Teile her, hat weltweit über 7000 Mitarbeitende und generierte 2019 einen Umsatz von 680 Millionen Euro, umgerechnet etwa 715 Millionen Franken.

Gleichzeitig beantragt das Unternehmen an der nächsten Generalversammlung vom 20. Mai die Ausschüttung einer Dividende von 10 Franken pro Aktie. Das gibt die Firma in ihrem aktuellen Geschäftsbericht bekannt. Das entspricht einer Ausschüttung von 9,6 Millionen Franken.

Dazu muss man wissen: Kurzarbeit wird grundsätzlich über die Arbeitslosenversicherung (ALV) finanziert, in die wir alle, Arbeitnehmerinnen und Arbeitgeber, jeden Monat einen Teil unseres Lohnes einzahlen. Schauen Sie auf Ihrer Lohnabrechnung nach, wie hoch ihr monatlicher Beitrag an die ALV ist.

Weil diese Beiträge aber für eine grosse Krise nicht ausreichen, hat der Bundesrat entschieden, zusätzlich zu einem rückzahlbaren Kredit über acht Milliarden Franken sechs Milliarden à fonds perdu in die ALV-Kasse einzuschiessen. Das heisst, die Lohnkosten der Firmen, die Kurzarbeit eingeführt haben, werden derzeit zu einem grossen Teil aus der Staatskasse mitfinanziert.

Kurzarbeit einführen und gleichzeitig Dividenden auszahlen, darin sieht CEO Rochus Kobler indes keinen Widerspruch: «Das hat nichts miteinander zu tun. Das Instrument der Kurzarbeit hat die Schweiz eingeführt, um Arbeitsplätze zu erhalten», sagt Kobler. An anderen Standorten in Asien und den USA, wo man keine Kurzarbeit kennt, habe die Firma Entlassungen vornehmen müssen. Das soll am Standort in Stein am Rhein, wo laut Firmenwebsite rund 125 Mitarbeitende tätig sind, verhindert werden.

Ausserdem werde nur fünf Prozent des Umsatzes in der Schweiz generiert. «Die Dividende aber wird an Aktionärinnen und Aktionäre weltweit ausbezahlt», sagt Kobler. Diese wiederum würden in das Wachstum des Unternehmens investieren. Zudem habe man die Dividende von 17 Franken im Jahr 2018 auf 10 Franken für 2019 reduziert. «Dadurch wird die Liquidität des Unternehmens geschont», so Kobler.

Auch die Georg Fischer AG hat Kurzarbeit eingeführt, während die Aktionärinnen und Aktionäre an der Generalversammlung von letzter Woche der Ausschüttung einer Dividende von 25 Franken pro Aktie zugestimmt haben. Gleichzeitig gab die GF in den Schaffhauser Nachrichten bekannt, dass angesichts der Coronakrise rund 200 Führungskräfte auf 20 bis 30 Prozent des Lohnes verzichten würden.

Sind auch bei Phoenix Mecano Lohnreduktionen bei der Chefetage vorgesehen? Rochus Kobler sagt, bei Phoenix Mecano sei der Lohn von rund 50 Führungskräften zu einem Teil vom Erfolg des Unternehmens abhängig. Dieser werde sich wegen der Coronakrise deshalb automatisch reduzieren. Sein eigener Bonus könne in diesem Jahr womöglich gar auf null Franken sinken. 2019 hatte
Kobler laut Geschäftsbericht 860 000 Franken verdient (inklusive Sozialabgaben), davon 74 000 als variable Vergütung. 2018 lag Koblers Lohn noch bei knapp einer Million.

Dieser Artikel erschien am 23. April in der «Schaffhauser AZ» in verkürzter Form.