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Die AKW-Hypothek

Die Entsorgung des Atommülls wird teuer. Im Streit um die Höhe der Kosten widersprechen sich nun sogar zwei Schaffhauser Regierungsräte.

Es ist ein Satz, der grossen Zündstoff bietet: «Das Departement des Innern hat dazu eine andere Meinung.» Das sagte Martin Kessler (FDP), Vorsteher des kantonalen Baudepartements, kürzlich an einer Sitzung des Kantonsrates, an der über die Kosten des Atommülls diskutiert wurde. Im Klartext: Ein Schaffhauser Regierungsrat sagt öffentlich, dass das Departement eines anderen Schaffhauser Regierungsrates eine andere Meinung hat.

Würde das tagtäglich vorkommen, würde beispielsweise der Schweizer Innenminister Alain Berset eine Corona-Ausgangssperre verhängen und im gleichen Atemzug sagen, das Justizdepartement von Karin Keller-Sutter vertrete dazu eine andere Meinung, dann wäre der öffentliche Aufruhr gigantisch. Und es wäre das Ende des Schweizer Kollegialitätsprinzips, wonach sich ein Regierungsmitglied an die Beschlüsse der Mehrheit hält und diese gegenüber der Öffentlichkeit vertritt, auch wenn seine eigene Meinung davon abweicht.
Warum also sagt der amtierende Regierungspräsident Martin Kessler, das Departement seines Kollegen Walter Vogelsanger (SP) vertrete in Sachen Atommüllkosten eine andere Meinung?

Die Antwort ist etwas kompliziert. Aber so viel ist klar: Es geht um wahnsinnig viel Geld.

Schaffhausen: AKW-Mitbesitzer

Vor eineinhalb Jahren lud das eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) die Kantone anlässlich einer Revision der Stilllegungs- und Entsorgungsverordnung des Bundes dazu ein, ihre Meinungen zum Thema einzubringen. Die Verordnung regelt unter anderem, wer für die Entsorgung des radioaktiven Abfalls zahlt. Wie teuer die Entsorgung des Atommülls konkret wird, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Verwaltungskommission des Stilllegungsfonds für Kernanlagen und des Entsorgungsfonds für Kernkraftwerke (STENFO), der fünf offiziell unabhängige Mitglieder sowie drei Vertreter der grossen Stromkonzerne Axpo, Alpiq und BKW angehören, budgetiert Kosten von 23,5 Milliarden Franken. Das UVEK hingegen rechnet mit Ausgaben von 24,6 Milliarden. Einig ist man sich insofern, dass die geschätzten Kosten in den letzten Jahren gestiegen sind.

Für diese Kosten müssen in erster Linie die AKW-Betreiber, also die grossen Stromkonzerne, aufkommen. Je tiefer die Kosten, desto geringer auch die Beiträge, die sie in die beiden Fonds einzahlen müssen.
Nun: Eine Milliarde mehr oder weniger, das ist auch für den Kanton Schaffhausen von Bedeutung, der in dieser Frage eine Doppelrolle einnimmt. Einerseits besitzt Schaffhausen knapp acht Prozent der Aktien des Stromkonzerns Axpo, dem wiederum die Atomkraftwerke Beznau 1 und Beznau 2 gehören. Hinzu kommen Beteiligungen an den AKW Leibstadt und Gösgen. Vor diesem Hintergrund hat Schaffhausen ein finanzielles Interesse daran, dass die Axpo-Beiträge in den Stilllegungs- und den Entsorgungsfonds so tief wie möglich sind. Wenn die Axpo Gewinne schreibt, profitiert der Kanton in Form von Dividenden, so wie in der Vergangenheit geschehen. Laut den kantonalen Geschäftsberichten erhielt Schaffhausen von der Axpo zwischen 2006 und 2014 insgesamt 90 Millionen Franken. Seither allerdings gab es keine Dividenden mehr, was mit ein Grund war, weshalb der Schaffhauser Regierungsrat einst das Sparpaket EP14 schnürte.

Bei der Axpo bekam man in den letzten Jahren die tieferen Strompreise zu spüren, ausserdem steigen die Kosten für den Atommüll: «Axpo sah sich veranlasst, die Parameter ihrer Rückstellungen für den Nachbetrieb, die Stilllegung und die Entsorgung des Kernkraftwerks Beznau anzupassen, was sich mit 90 Mio. CHF negativ auswirkte», heisst es beispielsweise im aktuellen Geschäftsbericht.

Risiko für die Steuerzahlenden

Andererseits drohen den Schweizer Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern hohe Kosten. Wie das UVEK auf Anfrage der AZ schreibt, fehlen noch insgesamt 9,8 Milliarden Franken. Was, wenn diese Lücke nie gestopft wird oder die Kosten weiter ansteigen?

Sollte ein AKW-Betreiber in Konkurs gehen und seine Beiträge in die beiden Fonds nicht mehr leisten können, müssten in letzter Konsequenz die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler einspringen. Brisant: Das Risiko, dass dieser Fall eintreffe, sei «hoch», zitierte der Blick kürzlich aus einer geheimen Risikoanalyse des STENFO.

Das sieht auch der Finanzexperte Kaspar Müller so, der gegenüber der Zeitung meinte, die Beiträge der AKW-Betreiber seien «zu tief» und es bestehe «ein Finanzierungsproblem, das ziemlich sicher beim Steuerzahler landen wird». Dies unter anderem, weil es «die Atomlobby» geschafft habe, einen sogenannten Sicherheitszuschlag von 30 Prozent wieder abzuschaffen. Dazu später mehr.

Die Axpo schreibt auf Anfrage der AZ: «Die Behauptungen von Kaspar Müller sind unbegründet.» Das Risiko für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler sei «äusserst gering» und «die Finanzierung der Fonds durch die Branche gewährleistet».

Entschädigungen fürs Endlager

Aus Schaffhauser Sicht spielt neben dem Risiko für Steuerzahlerinnen und Steuerzahler allerdings auch noch das Atommüllendlager, das möglicherweise vor der Schaffhauser Haustür gebaut wird, eine Rolle. Sollte das Endlager im Weinland entstehen, stellt sich die Frage, ob Entschädigungen für nahe gelegene Schaffhauser Gemeinden wie beispielsweise Neuhausen und die Stadt anfallen, und wie hoch diese sein werden. Die Rede ist von 800 Millionen Franken, die dereinst insgesamt verteilt würden. Diese Mittel sollen, sofern sie vorhanden sind, dem Entsorgungsfonds entnommen werden.

Allerdings: Hat es im Entsorgungsfonds am Ende zu wenig Geld für Entschädigungen, könnten die Schaffhauser Gemeinden leer ausgehen. Vor diesem Hintergrund monierte auch Kantonsrat Urs Capaul (Grüne) kürzlich im Parlament, die Beiträge der AKW-Betreiber müssten erhöht werden.

Das hat der Bundesrat zwar getan. Ab diesem Jahr sollten die Beiträge der Stromkonzerne verdoppelt werden. Allerdings hat das Bundesgericht eine Beschwerde gegen die Kostenberechnung des UVEK gutgeheissen. Nun wird nochmals neu gerechnet. Klar ist aber, dass der von Kaspar Müller erwähnte Sicherheitszuschlag abgeschafft wird. Mit diesem Zuschlag hätten mögliche Mehrkosten abgedeckt werden sollen.
Der Bundesrat entschied sich unter anderem deshalb für die Abschaffung, weil sich viele Kantone dafür ausgesprochen hatten. Darunter auch Schaffhausen, wie aus der Stellungnahme des Baudepartements unter Martin Kessler hervorgeht, die kürzlich veröffentlicht wurde.

Anders beispielsweise die Kantone Basel-Land und Basel-Stadt. Sie forderten die Beibehaltung des 30-prozentigen Sicherheitszuschlags.

Uneinigkeit in der Regierung

Warum hat sich Schaffhausen für die Abschaffung eingesetzt? Schaut das Schaffhauser Baudepartement bei den Atommüllkosten in erster Linie auf das Wohl des Stromkonzerns Axpo, an dem der Kanton Aktien hält, als auf die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler und die betroffenen Schaffhauser Gemeinden? Gehört Martin Kessler zur «Atomlobby», wie es Kaspar Müller formulierte?

Nein, sagt Kessler: «Die Sicherheit steht an oberster Stelle, aber der Sicherheitszuschlag ist nicht mehr vertretbar. Das sagen auch die Experten.» Kessler verweist auf die Empfehlung der Eidgenössischen Finanzkontrolle, die im Juni 2018 zum Schluss kam, der Sicherheitszuschlag sei «nicht mehr angemessen». Ausserdem sollten die AKW-Betreiber noch genügend Mittel haben, um in erneuerbare Energien investieren zu können. Und: Die Gefahr des Konkurses eines AKW-Betreibers hält Kessler für unrealistisch. Im Gegenteil: Bei der Axpo rechne man gar damit, ab dem Jahr 2022 wieder Dividenden ausschütten zu können, so Kessler.

Anderer Ansicht ist Kesslers Amtskollege Walter Vogelsanger (SP), Vorsteher des Innendepartements. «Mein Departement war gegen die Abschaffung des Sicherheitszuschlags», sagt Vogelsanger auf Nachfrage der AZ. «Die Entsorgung wird ein langer Prozess. Die heutigen Kostenberechnungen sind mit grossen Unsicherheiten verbunden. Es besteht deshalb ein Risiko, dass die Kosten weiter ansteigen und am Ende vielleicht doch die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler für die Entsorgung des Atommülls zahlen müssen.» Vogelsanger verweist auf den Blick-Artikel. Vor diesem Hintergrund sollten die Beträge der AKW-Betreiber nicht zu optimistisch berechnet werden, meint der Vorsteher des Innendepartements.

Wir halten fest: Zwei Schaffhauser Regierungsräte streiten öffentlich über die Kosten der Atommüllentsorgung. Ist das das Ende des Kollegialitätsprinzips?

«Von Streit kann keine Rede sein»

Nein, sagt Baudirektor Martin Kessler. Der Gesamtregierungsrat habe das Baudepartement seinerzeit damit beauftragt, die Stellungnahme zuhanden des UVEK zu verfassen. Das habe sein Departement getan. Und: «Von einem öffentlichen Streit zwischen zwei Regierungsräten kann keine Rede sein. Es handelt sich um unterschiedliche Einschätzungen zwischen zwei Departementen. Bei einer verwaltungsinternen Vernehmlassung ist es Usus, dass in einem solchen Fall die Haltung des federführenden Departementes zur Rückmeldung wird.» Von einem Streit zu sprechen, sei «reine Polemik». «Im Übrigen bin auch ich der Meinung, dass die Beiträge nicht zu optimistisch berechnet werden sollen – genau deshalb müssen die Kostenschätzung und die Äufnung der Fonds periodisch überprüft und gegebenenfalls angepasst werden», sagt Kessler.

Walter Vogelsanger meint, es gebe verschiedene Einschätzungen und Interessen bezüglich des Stilllegungs- und Entsorgungsfonds, «und das ist Teil unseres demokratischen Systems». Allerdings: Auf die Frage, ob die Schaffhauser Stellungnahme, die in den Entscheid des Bundesrates eingeflossen ist, anders aussehen würde, wenn sein Departement das Schreiben verfasst hätte, gibt er eine klare Antwort: «Ja».

Dieser Artikel erschien am 18. Juni in der «Schaffhauser AZ».

Grüner Strom von rechten Politikern

Drei Mitglieder von SVP und FDP setzen auf erneuerbare Energien – und erhalten dafür staatliche Subventionen. Das sei gerechtfertigt, sagen sie.

Die Solaranlagen von Hansueli Graf. Bild: zVg
Die Solaranlagen von Hansueli Graf. Bild: zVg

Die Energiewende hat Namen. Namen wie Martin Kessler, Andrea Müller, Hansueli Graf und viele weitere. Es sind Privatpersonen, die auf dem Dach ihres Hauses oder ihres Bauernhofes eine Solaranlage installiert oder auf ihrem Landstück eine Biogasanlage erstellt haben. Und damit erneuerbaren Strom erzeugen.

Und erstaunlich: Die vermutlich grösste private Stromproduzentin von erneuerbaren Energien im Kanton Schaffhausen ist ausgerechnet eine SVP-Politikerin: Andrea Müller, Thaynger Gemeinderätin, betreibt mit ihrem Mann die Müller Energie GmbH, die laut eigener Website eine Biogasanlage und eine Photovoltaikanlage besitzt.

In den letzten vier Jahren hat die Müller Energie GmbH gemäss der neusten, letzte Woche veröffentlichten Liste der Bezügerinnen und Bezüger der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) des Bundesamts für Energie (BfE) 5,8 Gigawattstunden erneuerbaren Strom produziert. Dafür hat die Firma 2,3 Millionen Franken Vergütungen erhalten. Von allen bei der KEV registrierten Schaffhauser Projekten hat einzig die KBA Hard, die von mehreren Gemeinden betrieben wird, mehr Strom ins Netz gespiesen und entsprechend mehr Gelder bekommen.

Warum Andrea Müller auf erneuerbare Energien setzt und wie wichtig die staatlichen Subventionen für den Betrieb der Anlagen sind, bleibt unklar. Die Thaynger SVP-Gemeinderätin will sich gegenüber der AZ nicht zu den Vergütungen äussern.

SVP-Politiker fährt Elektroauto

Andere stehen dazu. Hansueli Graf, Gemeindepräsident von Oberhallau und Kantonsrat der SVP, war einer der Ersten, der im Kanton Schaffhausen eine Solaranlage bei Swissgrid, der nationalen Netzgesellschaft, angemeldet hatte. Das war im Mai 2008. Der Landwirt sagt, er sehe in der regionalen Strom- und Energieproduktion eine Chance für die Landwirtschaft. «Ich will mein Geld möglichst nicht den Ölscheichs schicken», sagt Graf. Inzwischen fährt der Oberhallauer ein Elektroauto, das er mit Strom der eigenen Solaranlage auflädt. «Das macht wirklich Freude, weil das Produzieren und das Ernten erlebbar wird.»

Graf findet es gerechtfertigt, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien im Verhältnis zu den Investitionen unterstützt wurde. In den Jahren 2011 bis 2018 hat Graf Vergütungen von knapp 250 000 Franken erhalten. «Diese Anschubfinanzierung hat es gebraucht. Ich habe damals weit über eine halbe Million Franken investiert. Das brauchte Mut und Finanzkraft», sagt Graf.

Heute könne seine eigene Photovoltaikanlage Strom für ca. zehn Rappen pro Kilowattstunde produzieren und brauche keine Unterstützung mehr. Konkret produziert Grafs von der KEV unterstützte Anlage 120 Megawattstunden Strom pro Jahr. Hinzu kommt eine zweite Anlage für den Eigengebrauch, die weitere 20 Megawattstunden beisteuert. «Dem Eigenverbrauch gehört die Zukunft. Das macht unabhängiger», sagt Graf. Dies entspreche ausserdem der Energiestrategie des Bundes.

Der Landwirt hat sich den erneuerbaren Energien verschrieben. Er amtiert als Präsident des Vereins Landenergie Schaffhausen, der die Nutzung erneuerbarer Energien wie Sonne, Biomasse, Kleinwind und Holz in der Landwirtschaft fördert und Projekte für den Bau von entsprechenden Energieerzeugungsanlagen unterstützt und begleitet. Gleichzeitig politisiert Graf in der SVP, die die Energiestrategie 2050 des Bundesrates wie auch die kantonale Energiestrategie zur Stärkung der erneuerbaren Energien, die 2015 vom Schaffhauser Stimmvolk verworfen wurde, zuerst im Kantonsrat verwässert und anschliessend mit einer Nein-Parole bekämpft hat.

An der Position der SVP in Sachen Umweltpolitik scheint sich auch in diesen Tagen nichts zu ändern. Präsident Albert Rösti bezeichnete die Umweltpolitik nach den Zürcher Wahlen als «saisonalen Trend». Und diesen Dienstag äusserte sich auch Christoph Blocher an einer Pressekonferenz. Ob der Mensch am Klimawandel Schuld trage, sei hoch umstritten, sagte Blocher laut dem Tages-Anzeiger. Die Gletscher seien früher schon geschrumpft und gewachsen.

«In diesem Bereich bin ich schon noch ziemlich einsam in der SVP, aber ich bleibe dran», sagt Hansueli Graf. Und er ist überzeugt: «Die Position der SVP in der Umweltpolitik wird sich wandeln. Wir sollten ja nicht am Volk vorbeipolitisieren.»

Ziel: Atomenergie ersetzen

Einige Kilometer südlich von Oberhallau, in Trasadingen, lebt Martin Kessler, Baudirektor und Mitglied der FDP. Auch seine Partei ist nicht dafür bekannt, konsequent erneuerbare Energien fördern zu wollen. Wie die SVP haben die Schaffhauser Freisinnigen die Energiestrategien des Bundes und des Kantons abgelehnt.

Dennoch: Auf dem Hausdach von Familie Kessler ist eine Solaranlage installiert. In Betrieb ging sie kurz vor Weihnachten 2011. Ab 2015 erhielt Familie Kessler KEV-Gelder, kumuliert knapp 18 000 Franken bis Ende 2018. Durchschnittlich produzierte die Solaranlage der Kesslers etwas mehr als 9 Megawattstunden Strom pro Jahr. «Das deckt den gesamten Stromverbrauch unseres Vier-Personen-Haushalts und meines Elektroautos», sagt der Baudirektor. Auch Kessler findet es gerechtfertig, dass die erneuerbaren Energien mit staatlichen Mitteln gefördert werden. Finanziell gelohnt habe sich die eigene Solaranlage deswegen aber noch nicht, sagt Kessler. Er rechnet damit, dass sich die Anlage in etwa zehn Jahren amortisiert habe.

Martin Kessler setzt nicht nur privat auf den Ausbau der Solarenergie. Als zuständiger Regierungsrat vertrat Kessler vor knapp einem Jahr die neuen Ziele der Schaffhauser Regierung in Sachen Umweltpolitik im Schaffhauser Kantonsrat. Diese lauten bis 2035: Ausbau der Solarenergie auf 100 Gigawattstunden (GWh). Das ist siebenmal mehr, als 2016 produziert wurde (neuere Zahlen liegen nicht vor). Weiter sollen die Windenergie auf 53 GWh, die Geothermie auf 26 GWh, die Biomasse auf 25 GWh und die Wasserkraft um 5 GWh ausgebaut werden. Zusammen mit bestehenden Anlagen ausserhalb des Kantonsgebiets sowie der aktuell genutzten Wasserkraft könnte damit «der Anteil der Kernenergie vollständig ersetzt werden», heisst es im entsprechenden Bericht der Regierung. Gleichzeitig soll der Stromverbrauch im gesamten Kanton stabil bei 500 GWh bleiben.

Nach dem «Bremser» – der Ablehnung der kantonalen Energiestrategie 2015 – wolle die Regierung nun «ein Konzept umsetzen, das Wirkung zeigt», sagte Kessler im Parlament. Konkrete Vorlagen werden folgen, sagt der Baudirektor: «Der Kantonsrat wird somit in den nächsten Jahren öfters Gelegenheit haben, zu beweisen, wie ernst es ihm mit der Energiewende und damit auch mit der Klimapolitik ist.»

Graf: Windenergie vorantreiben

Unterstützung erhielt Martin Kessler von SVP-Kantonsrat Hansueli Graf: «Ich denke, diese Chance dürfen wir uns nicht entgehen lassen, die einheimischen Ressourcen besser zu nutzen», sagte Hansueli Graf während der Debatte. Gleichzeitig sammeln Parteikolleginnen und -kollegen des Oberhallauer Landwirts zurzeit Unterschriften für eine Initiative, die die Hürden für den Bau von Grosswindanlagen erhöhen würde.

Dabei liegt gerade die Windenergie im Kanton Schaffhausen völlig brach. 2016 wurde noch keine einzige Kilowattstunde Windstrom produziert. Seither hat sich daran nicht viel geändert. Das Wepfer-Windrad des Schaffhauser Elektrizitätswerks produzierte 2017 und 2018 im Schnitt lediglich 9,5 Megawattstunden Strom pro Jahr. Das ist minim mehr als die Solaranlage von Familie Kessler.

Aus diesem Grund sagt auch Hansueli Graf, der Kanton müsse die Windenergie vorantreiben, «denn diese ist eine optimale und notwendige Ergänzung für die Nacht und die Wintermonate». Ob er sich mit dieser Haltung innerhalb der Partei neue Freunde macht, wird sich zeigen.

Dieser Artikel erschien am 18. April in der Schaffhauser AZ.