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Die neue Bescheidenheit des FCS

Roland Klein, der neue Besitzer des FC Schaffhausen, über Traumschlösser, ausländische Investoren und den Beinahe-Kollaps des Vereins.

Der FC Schaffhausen ist verkauft. Per 30. Juni übernimmt Roland Klein 100 Prozent der FC Schaffhausen AG und knapp 92 Prozent der Stadion Schaffhausen AG, die das Fussballstadion vermarktet. Das gab der FCS am Montag bekannt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Das Stadion sowie der Mantelteil mit den Katakomben bleiben im Besitz der Firmen Fontana Invest und Methabau. Laut Medienmitteilung seien die beiden Firmen dem neuen Clubbesitzer aber finanziell grosszügig entgegengekommen und hätten die Miete «deutlich reduziert».

Auf Nachfrage der AZ erläutert Methabau, dass die reduzierte Miete für die nächsten 4,5 Jahre gelte. Ausserdem habe Metha­bau bereits seit Anfang Jahr auf «einen substantiellen Teil» des Mietzinses verzichtet. Wie hoch die Miete ist, wird nicht bekannt gegeben.

Laut Roland Klein bleibt der aktuelle Staff dem Verein zumindest vorläufig erhalten. Dazu gehört auch der bisherige FCS-Geschäftsführer Marco Truckenbrod Fontana. Hingegen steht der Verein derzeit ohne Trainer da, der Vertrag mit Jürgen Seeberger ist ausgelaufen. Weiter haben nur neun Spieler noch einen gültigen Vertrag.

Roland Klein, wie viele Stunden schlafen Sie zurzeit?
Roland Klein Genug. Und ich schlafe gut.

Sie sind noch nicht 24 Stunden pro Tag damit beschäftigt, einen neuen Trainer und neue Spieler zu verpflichten?
Nein, und ich hoffe auch, dass das nie so sein wird. Jeder Mensch braucht noch eine gewisse Freizeit und Lebensqualität.

Aber die Zeit drängt. Mitte Juli beginnt die neue Saison, und es gibt viele offene Personalfragen.
Priorität hatte bisher der Erhalt der Lizenz. Klar muss man jetzt so schnell wie möglich zuerst die Trainerfrage klären und dann mit dem neuen Trainer das Kader zusammenstellen. Wir sind uns bewusst, dass leider nicht viel Zeit bleibt. Mit der Planung einer Saison beginnt man normalerweise bereits im April oder Mai. Das war in diesem Fall nicht möglich, aber wir werden sicher bis zum Saisonstart eine kompetitive Mannschaft stellen.

Gibt es ein konkretes sportliches Ziel für die nächste Saison?
Nein, das gebe ich nicht vor. Sicher müssen wir den Ligaerhalt schaffen. Und wir wollen nicht mehr so stark ins Schleudern kommen wie in der abgelaufenen Saison. Allerdings glaube ich, dass die Mannschaft stark genug gewesen wäre, um nicht derart in Abstiegsgefahr zu geraten. Aber die Umstände waren schwierig. Das drückte auf die Leistung. Deshalb muss ich der Mannschaft ein Kompliment machen. Sie zeigte keine Zerfallserscheinungen und hat sich am Ende gut gerettet.

Würden Sie mittelfristig das Wort Super League in den Mund nehmen?
(lacht) Wir haben gerade erst die Lizenz für die Challenge League erhalten. Darüber sollten wir uns jetzt freuen und nicht von der Super League träumen. In der nächsten Saison sind mit GC, Aarau und Lausanne starke Mannschaften mit dabei. Die wollen alle aufsteigen. Wir müssen vor allem finanziell gesund bleiben.

«Wenn wir die Finanzen nicht im Griff haben, dann kann es sein, dass der Club irgendwann nicht mehr existiert. Das war jetzt beinahe der Fall.»

Sind solide Finanzen das oberste Ziel?
Es ist sicher das wichtigste Ziel. Natürlich wollen wir sportlichen Erfolg haben, aber die Finanzen bilden die Grundlage. Wenn wir die Finanzen nicht im Griff haben, dann kann es sein, dass der Club irgendwann nicht mehr existiert. Das war jetzt beinahe der Fall. Dementsprechend muss das Fundament sehr solide gelegt werden. Dann bauen wir Schritt für Schritt darauf auf.

In den Schaffhauser Nachrichten hiess es, Sie hätten Kontakte zu potenten ausländischen Geldgebern, beispielsweise aus Katar. Einige FCS-Anhänger haben bereits gestutzt und ahnten Böses. Es gab mit Xamax und dem FC Wil in den letzten Jahren zwei Clubs, bei denen ausländische Geldgeber einstiegen. Der eine ging danach konkurs, der andere ist knapp daran vorbeigeschrammt.
Ich habe viele Jahre in Südostasien und in Katar gelebt. Es wurde deshalb spekuliert, dass ich eventuell einen Katari mitbringe, der den FC Schaffhausen sponsern wird. Aber das ist nicht der Plan. Das wäre auch ein völlig falscher Weg für den FC Schaffhausen wie auch generell für alle Schweizer Clubs. Jene reichen Leute aus dem Osten, die wirklich ernsthaft mitwirken wollen, interessieren sich für die ganz grossen Clubs wie Paris und Manchester. Und auf die anderen kann man sich nicht verlassen. Dann passiert genau das, was in der Schweiz passiert ist: Einer dieser ausländischen Investoren ist zwei Jahre dabei, verliert aber dann die Lust und steigt wieder aus, während die Verträge mit diversen Spielern noch ein, zwei Jahre weiterlaufen. Dann hat man ein finanzielles Problem. Das wird unter meiner Leitung sicher nicht geschehen.

Das klingt vernünftig, so wie Sie auch vom früheren FCS-Trainer Rolf Fringer beschrieben werden. Sind Sie einer, der realistisch bleibt und nicht das Blaue vom Himmel verspricht?
Traumschlösser werden sicher nicht gebaut, das kann ich garantieren. Aber wir werden alles versuchen, um mit gesunden Finanzen so weit wie möglich zu kommen. Der FC Thun ist so ein Beispiel, an dem man sich orientieren kann. Meiner Meinung nach hat der FC Schaffhausen zwei Aufgaben: Da wäre die Förderung von jungen Spielern. Wir wollen Profiverhältnisse für die 18- bis 22-jährigen Spieler bieten. Mit 25, 26 Jahren müssen sie aber den Sprung nach ganz oben geschafft haben. Wenn das nicht gelingt, haben wir die zweite Aufgabe, diese Spieler wieder Schritt für Schritt in den normalen Arbeitsmarkt einzugliedern. Sonst haben sie später ein riesiges Problem.

Das heisst, der FC Schaffhausen bleibt ein Profibetrieb?
Jein. Wir brauchen ein Gerüst aus ein paar erfahrenen Spielern, von denen die Jungen profitieren können.

In der abgelaufenen Saison hatte der FCS ein Budget von 3,5 Millionen Franken. Das klingt, als hätten Sie nicht vor, dieses zu erhöhen.
Nein, wir werden mit dem arbeiten, was wir zur Verfügung haben. Aber wir werden natürlich versuchen, die Einnahmen zu steigern und das Marketing zu verbessern.

Das bedeutet, der FC Schaffhausen wird auch künftig eher gegen den Abstieg als um den Aufstieg spielen.
Ich glaube nicht, dass sich der finanzielle Unterschied zwischen den Vereinen, die Budgets von zwei Millionen Franken haben, und jenen, die vier Millionen besitzen, zwingend in der sportlichen Bilanz widerspiegeln muss. Natürlich gibt es eine Differenz zu Lausanne, GC und Aarau, die teilweise wesentlich mehr Geld zur Verfügung haben. Bei den anderen sieben Clubs kommt es darauf an, wie gut man arbeitet. Hier spielt auch der Trainer eine wichtige Rolle.

«Es gibt Gründe, weshalb man immer wieder Geld – und zwar namhafte Summen – in den Club nachschiessen musste»

Wenn man die Medienmitteilung des FCS liest, hat man den Eindruck, Sie hätten ziemlich gut verhandelt. Der Mietpreis für das Stadion wird künftig deutlich reduziert. Das entlastet den Club finanziell. Hatten Sie Einblick in die Finanzen und diesen Punkt beanstandet?
In erster Linie war es die Firma Methabau, die dazu Hand geboten hat. Aber natürlich musste ich gewisse Punkte ansprechen, die meiner Meinung nach nicht tragbar waren. Es gibt Gründe, weshalb man immer wieder Geld – und zwar namhafte Summen – in den Club nachschiessen musste. Ein Challenge-League-Verein kann nicht gewaltige Mieten bezahlen, das holt man einfach nicht raus. Methabau hat sich hier sehr kooperativ gegeben, als wir aufgezeigt haben, was möglich ist und was nicht.

Ist der FC Schaffhausen jetzt komplett schuldenfrei?
Bis Ende Juni, wenn ich den Verein offiziell übernehme, müsste es so weit sein.

Wie viel Vermögen besitzen Sie persönlich, das Sie allenfalls in den Club stecken werden, wenn es wieder einmal kriseln sollte?
Das möchte ich nicht bekannt geben. Erste Priorität hat, dass wir nicht mehr Geld ausgeben, als wir einnehmen. Wenn es ein kalkuliertes Risiko gibt, also wenn wir beispielsweise einen bestimmten Spieler kaufen und mit ihm gute Chancen hätten, aufsteigen zu können, dann müsste man sich überlegen, zusätzlich etwas zu investieren. Aber in der nächsten Saison wird das sicher nicht der Fall sein.

Kommen wir zum Image des FCS: Die Zuschauerzahlen sprechen Bände. Nur zwei Challenge-League-Vereine hatten in der abgelaufenen Saison weniger Besucherinnen und Besucher als der FCS. Mit dem neuen Stadion hat die Distanz zum Verein auch geografisch gesehen zugenommen.
Ich glaube nicht, dass es mit der räumlichen Lage des Stadions zusammenhängt. Ich gehe auch ins Kino nach Herblingen. Und ich glaube auch nicht, dass es an der sportlichen Situation gelegen hat. Vielmehr vermute ich, es liegt an der emotionalen Nähe des Vereins zu den Schaffhauserinnen und Schaffhausern. Diese Nähe müssen wir wieder herstellen. Wir müssen die ersten Schritte machen und den Kontakt zu den Vereinen in der Umgebung und den Schaffhauserinnen und Schaffhausern suchen.

Es gibt Leute, die beklagen, dass man sich mit dem Verein nicht richtig identifizieren kann und man nicht weiss, für was dieser Verein eigentlich steht. Im Gegensatz dazu steht beispielsweise der FC Thun für solides, ehrliches Handwerk, der FC Winterthur für eine gewisse politische Haltung.
Ich habe in letzter Zeit einige Spiele im Lipo-Park besucht. Die Zuschauerinnen und Zuschauer kommen knapp auf den Anpfiff und gehen danach sofort wieder. Vielleicht müssen wir am Matchtag mehr bieten, sodass auch vor und nach dem Spiel noch etwas läuft, woran die Leute Spass haben und womit sich die Kinder beschäftigen können. Beim Catering sehe ich auch noch Potenzial. Und den Kontakt zu den Schaffhauser Unternehmen, die dem Club als Sponsoren treu sind, wollen wir intensivieren. Ich will, dass der FCS die Schaffhauserinnen und Schaffhauser wieder bewegt.

Sprechen wir über die Liga. In dieser Saison blieb es bis zum letzten Spieltag spannend, aber davor herrschte teilweise gähnende Langeweile, viermal in Folge gingen Vereine entweder in Konkurs oder stiegen freiwillig ab, weil sie die finanziellen Mittel nicht auftreiben konnten. Müsste die Liga die Auflagen senken?
Meiner Meinung nach muss man sich darüber Gedanken machen. Die Challenge League soll ja eine Ausbildungsliga sein, und die Clubs bekommen deshalb ja auch Subventionen, wenn sie junge Spieler einsetzen. Aber in einer Liga mit zehn Vereinen ist das sehr schwierig. In der abgelaufenen Saison konnten bis kurz vor Schluss mehrere Clubs um den Aufstieg mitspielen, und am unteren Ende der Tabelle gab es vier, fünf Vereine, die lange zittern mussten. Das ist für die Ausbildung der Jungen ganz schlecht. So stehen sie permanent unter Druck. Ein gewisser Druck ist manchmal gut, aber ein junger Spieler muss sich auch in Ruhe entwickeln können. Meiner Meinung nach sollte die Challenge League deshalb auf 12 oder 14 Vereine aufgestockt werden.

Handkehrum würde dadurch die Spannung wieder etwas verloren gehen.
Aber hat die Spannung mehr Zuschauer in die Stadien gelockt? Gab es in den entscheidenden Abstiegsspielen doppelt so viele Zuschauer wie im Normalfall? Nein. Es hatte keine Auswirkungen. In der Super League ist das tiptop, dort soll es Spannung geben. Aber in der Challenge League sollte sich der Druck auf die Clubs in Grenzen halten. Die Zuschauer kommen ins Stadion, weil sie sich mit dem Club identifizieren. Da müssen wir ansetzen.

Der Absteiger FC Rapperswil-Jona hatte einen höheren Zuschauerschnitt. Dort gab es aber auch Stehplätze für acht Franken. Dafür kommt man nicht in den Lipo-Park.
Ich habe die Ticketpreise noch nicht angeschaut. Grundsätzlich habe ich lieber viele Zuschauer, die wenig bezahlen, als wenige Zuschauer, die viel bezahlen. Und ich habe es gerne, wenn das Stadion mit vielen Familien und Kindern gefüllt ist. Das ist die Zukunft des Schaffhauser Fussballs.

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Wer ist Roland Klein?

Im Jahr 1960 geboren, hat Roland Klein ursprünglich die KV-Lehre absolviert, sich später zum Sportlehrer ausbilden lassen und unter anderem in der Saison 1985/1986 beim FC Schaffhausen in der Nati B gespielt. Anschliessend wechselte er zum FC Winterthur.

Nach seiner Fussball-Karriere landete er 1995 in Vietnam. «Eigentlich suchten die einen Trainer, hatten aber kein Geld», erzählte Klein einst der Süddeutschen Zeitung. «Da habe ich gesagt: Ich könnte euer Marketing machen, ich habe Kaufmann gelernt.» So wurde Roland Klein TV-Rechte-Händler, zunächst für Vietnam, später für 16 weitere asiatische Staaten. Ausserdem lotste Klein als Spielervermittler europäische Fussballgrössen wie Mario Basler, Stefan Effenberg und Pep Guardiola nach Katar.

Zurück in der Schweiz, war Roland Klein Sportchef beim FC Winterthur und später Vizepräsident des Grasshopper Clubs Zürich. Im März 2018 musste Klein gehen, nachdem er – wie er im Gespräch mit der AZ sagt – «einen ziemlich schonungslosen Bericht über die internen Probleme des Vereins», der jährlich acht Millionen Franken Defizit machte, abgeliefert hatte. «Das hat natürlich nicht allen gefallen», sagt Klein.js.

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Zuschauerzahlen des FCS

Der FCS sprach früher einmal davon, dass es pro Spiel durchschnittlich 2500 Zuschauerinnen und Zuschauer benötige, um die Rechnung ausgeglichen zu halten. Nach zweieinhalb Jahren hat sich gezeigt, dass eine solche Zahl völlig unrealistisch ist. In der abgelaufenen Saison haben durchschnittlich knapp 1200 Personen ein FCS-Heimspiel besucht. Mit Ausnahme der Saison 2016/17, in der das Eröffnungsspiel des neuen Stadions sowie zwei Heimspiele gegen den FC Zürich stattfanden, hat der FCS in etwa gleich viele Zuschauer wie früher auf der Breite.

Saison und Zuschauer pro Spiel
2013/14 (Breite): 1580
2014/15 (Breite): 1294
2015/16 (Breite): 1173
2016/17 (Breite/Lipo): 2329*
2017/18 (Lipo-Park): 1241
2018/19 (Lipo-Park): 1194

*Hinrunde: Breite, Rückrunde: Lipo-Park.
Quelle: Swiss Football League.

Dieses Interview erschien am 6. Juni in der Schaffhauser AZ.

Wo bleibt das Arbeitsplatz-Argument?

Das Arbeitsplatz-Argument ist ein Totschlag-Argument. Es erstickt jedwede Diskussion im Keime. Denn, wer nimmt schon mehr Arbeitslose in Kauf? Man denke nur an die Sozialkosten. Und dann folgt die Steuererhöhung, der Wegzug der Reichen, noch mehr Arbeitsplätze gehen verloren… ein Teufelskreis.

Wir haben es bei der Abstimmung zur 1:12-Initiative gehört. Zur Masseneinwanderungsinitiative. Aktuell droht es über der Abschaffung der Pauschalbesteuerung. Und es gibt unzählige weitere Beispiele. Sogar bei der Abstimmung über die Kriegsmaterialexporte wurde das Arbeitsplatz-Argument vorgebracht.

Aber wo bleibt das Arbeitsplatz-Argument in der Debatte über das Hooligan-Konkordat? Ja, das Hooligan-Konkordat wird Arbeitsplätze kosten. Und zwar viele! Und alles beginnt mit dem Bierausschankverbot.

Vom Aussterben bedroht: Das Bier auf der Breite. Foto: Jimmy Sauter

Das zeigt die folgende Bier-Rechnung: Der FCS verliert pro Saison zweimal zuhause gegen Winti. Bei der letzten 1:4-Pleite am 1. September kamen 2’867 Besucher.

Einschub: Klar, das moralische Argument hat schon bei der Kriegsmaterialabstimmung nicht gezogen. Aber ernsthaft: Wie kann man so grausam sein, diesen 2’867 Verzweifelten auch noch das Bier wegzunehmen?

Ok, es zieht definitiv nicht, die Moral ist schon lange tot.

Zurück zu den Facts: Nehmen wir an, dass jeder Besucher pro Spiel durchschnittlich zwei Bier trinkt (aus eigener Erfahrung ist das eher tief angesetzt). Gegenargument: Nicht jeder trinkt Bier. Richtig. Einige verschütten es auch absichtlich – beim Jubeln (Gast-Fans) oder aus Frust (FCS-Fans).

Das heisst: Bei einem Preis von 4.50 das Bier und 2’867 Besuchern wird in den beiden Spielen gegen Winti Bier für 51’606 Franken getrunken. Nun ist FCS-Winti bekanntlich ein Hochrisikospiel. Das heisst: Künftig kein Alkohol mehr. Und damit ein Umsatzverlust von 51’606 Franken pro Jahr, allein durch den Bierkonsum. Darin nicht eingerechnet sind die Besucher, die sowieso nur des Bieres wegen kommen. Also alle.

Sprich: In Zukunft kommt Niemand mehr zu den FCS-Spielen gegen Winti. Das deprimiert die Spieler, die noch höher verlieren werden. Das macht Fontana wütend, so dass er den Bettel hinschmeisst. Das führt dazu, dass kein neuer FCS-Park gebaut wird. Der FCS bekommt keine Lizenz mehr, steigt ab. Sponsoren springen ab. Der Club geht Pleite. Die Falkenbrauerei veliert einen der grössten Kunden. Fussballer, künftige-FCS-Park-Bauarbeiter, Securitas und Bierbrauer werden arbeitslos.

Fazit: Ein JA zum Hooligan-Konkordat wird den Kanton Schaffhausen in eine tiefe Wirtschaftskrise stürzen. Darum: Zum Wohl der Wirtschaft, für den Erhalt der Arbeitsplätze: Stimmt am 30. November NEIN zum Hooligan-Konkordat! (es ziehen garantiert keine Reichen weg).

Quelle: Gesunder Menschenverstand in angetrunkenem Zustand.

WM-Stübli in der Schäferei

Von  Beat Hochheuser, schaffhausen.net

Die Spiele der Schweizer Nationalmannschaft werden in der Schäferei in Schaffhausen jeweils mit eigenem Moderatoren-Team begleitet. Das bedeutet: Die Fernsehübertragung läuft ohne Ton und die Moderation erfolgt live vor Ort in der Schäferei via Mikrophone und separater Soundanlage.

Die Kommentatoren haben es sich zu diesem Zweck in der Schäferei Schaffhausen äussert gemütlich eingerichtet mit eigenem Tisch, Bier, Kippen und Laptop. Über das grosse Mischpult können sie auch vorbereitete Audio-Schnipsel einspielen wie beispielsweise lustige Kommentare von Spielern, die sie früher einmal irgendwo mitgeschnitten haben. Selbstverständlich steht den Kommentatoren auch ein eigener grosser Fernseher zur Verfügung, so dass sie das Spielgeschehen gut mitverfolgen und meisterhaft kommentieren können.

Für die Zuschauer in der Schäferei stehen diverse Fernseher zur Verfügung, so dass jeder Gast den Match gut mitverfolgen kann – begleitet von der professionellen und auch sehr lustigen Moderation der Schäferei-live-Kommentatoren. Wenn man in der Schäferei zu Gast ist, läuft das dann in etwas so wie in diesem Video ab:

Morgen, am Dienstag, 1. Juli 2014 um 18:00 Uhr, findet bekanntlich das nächste Spiel der Schweizer Nationalmannschaft statt: Das Achtelfinale Argentinien – Schweiz. Dieser Match wird selbstverständlich in der Schäferei wieder live kommentiert – diesmal abermals vom altgedienten Kommentator Jimmy Sauter sowie von Fussballfan Jérôme Ehrat, der auch selbst häufig Fussball spielt und auf den regionalen Fussballplätzen regelmässig als Koryphäe gehandelt wird. Wir dürfen uns also wieder auf erstklassige Live-Kommentatoren morgen in der Schäferei in der Webergasse Schaffhausen gegenüber der Fass-Beiz freuen. See you there!

Dieser Artikel von Beat Hochheuser erschien am 30. Juni 2014 auf schaffhausen.net

Anekdoten zur Fussball-WM

Am Donnerstag beginnt die Fussball-WM. Es ist das zweite Mal, dass die WM in Brasilien stattfindet. Die erste Ausgabe von 1950 brachte einige bemerkenswerte Geschichten hervor.

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USA – England 1:0
Die Engländer um Star Stan Mortensen reisten 1950 als Titelfavorit Nr. 1 an die WM nach Brasilien. Aus dem Titelgewinn wurde jedoch nichts. Das Mutterland des Fussballs erlebte ein Debakel. Bereits nach der Vorrunde mussten die Engländer heimreisen, und das ausgerechnet, weil ein Haitianer namens Joseph Gaetjens die Amateurfussballer aus den USA zum 1:0-Sieg schoss. Gaetjens, der neben dem Studium als Tellerwäscher in einem Restaurant jobbte, war erst am Vorabend des Turniers von US-Trainer Williams Jeffrey entdeckt und in den Kader berufen worden. Es ist bis heute eine der grössten Sensationen in der Geschichte des Fussballs. Zu diesem Spiel gibt es übrigens auch einen Film: The Game of their lives.

Italien
Die Italiener reisten als Titelverteidiger nach Brasilien. Tragischerweise war jedoch ein Jahr zuvor die Meistermannschaft des AC Turin mit zehn aktuellen Nationalspielern bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Deswegen reiste Italien aus Furcht und Aberglaube als einziges Team aus Europa mit dem Schiff an. Mit ungenügender Logistik. Nach nur drei Tagen hatten sie alle Trainingsbälle über Bord gekickt. In den restlichen zwölf Tagen war deshalb nicht mehr ans Trainieren zu denken. Stattdessen lagen sie anscheinend auf der faulen Haut, kamen mit Übergewicht in Brasilien an und verloren ihr erstes Spiel am 25. Juni 1950 in São Paulo gegen Schweden mit 3:2. Auch die Italiener mussten darum bereits nach der Gruppenphase wieder nach Hause reisen.

Brasilien
Die Gastgeber wollten den Titel im eigenen Land unbedingt. Lange Zeit sah es für die Brasilianer auch sehr gut aus. Das entscheidende Spiel fand vor 200.000 fanatischen Zuschauern im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro statt. Es ging unter dem Namen Maracanaço in die Geschichte ein. Brasilien führte mit 1:0 bis Mitte der zweiten Hälfte Uruguay ausgleichen konnte. Zehn Minuten vor Schluss gelang Uruguay sogar der entscheidende Treffer zum Sieg und zur Weltmeisterschaft. Die Pokalübergabe musste in den Katakomben des Stadions stattfinden, weil Ausschreitungen von Seiten enttäuschter brasilianischer Zuschauer befürchtet wurden.

Schweiz
Auch die Schweiz war 1950 an der WM dabei. Obwohl auch die Nati die Gruppenphase nicht überstand, schlug sie sich ganz ordentlich. Nach einer 0:3-Niederlage gegen Jugoslawien erreichte sie gegen Brasilien ein 2:2-Unentschieden. Zum Schluss gewann sie 2:1 gegen Mexiko.

Auswärtsspiel

Zürich. Eine Stadt mit einer grossen Fussballtradition. GC und die Champions League. Muris Tor gegen Ajax. Legendär.

Das war einmal. Heute: Zwei abgerissene Stadien. Eines wurde neu gebaut, aber keiner will es. Zumindest nicht, um darin Fussball zu schauen.

Nun, liebe Zürcher, stellt euch vor, es gibt irgendwo eine Stadt. Diese Stadt hat ein tolles Fussballstadion. Platz für 30’000 Besucher. Keine Tartanbahn zwischen Sitzplatz und Rasen. Keine Pfeiler, die das Dach stützen müssen, weil es sonst zusammenkracht. Nur, es geht kaum jemand hin, weil der Club, der darin spielt, irgendwo in der «Brack»-Liga herumdümpelt, und gegen wenig namhafte Vereine wie etwa den Dumpinglohnzahler-Club Wohlen antreten muss. Ein Stadion für niemanden, sozusagen. Das muss hart sein.

Servette Genf – FC Schaffhausen 2:1, 6. Oktober 2013

Die Rede ist natürlich vom «Stade de Genève», in dem Servette spielt, ebenfalls ein traditionsreicher Club. Unvergessen, wie die Genfer Berlin eroberten. 3:0 gegen die Hertha. Legendär.

Das war einmal. Heute gastiert der FC Schaffhausen in Genf. Und der steht in der «Brack»-Tabelle sogar weiter oben als die Servettiens. Das muss hart sein.

Immerhin können die Genfer heute gewinnen, wobei sich die Schaffhauser hinten nicht allzu geschickt anstellen. Es steht bereits 2:0 für die Genfer, als FCS-Trainer Jacobacci einen «Zettel» einwechselt. Dazu einen neuen Spieler, damit der den Zettel überbringt. Unter den Gelb-Schwarzen auf dem Platz herrscht Aufregung. Huch, ein Zettel. Was mag wohl draufstehen? Vielleicht sowas wie «jetzt schiesst endlich ein Tor». Ok, die Anweisung wird befolgt. 2:1. Aber dabei bleibt’s. Zu dumm, stand nicht darauf «Jetzt schiesst endlich drei Tore». Das ist hart.

Dieser Text erschien am 6. Oktober 2013 auf schaffhausen.net

Hiki-Haka in Wettswil-Bonstetten

Überall wird Fussball gespielt, auch auf dem Land. Mit dem Tiki-Taka des FC Barcelona hat das Zweitliga-Spiel, das der Lappi besucht hat, so viel gemein, wie die Muttenzer Kurve mit dem Fangrüppchen des FC Kosova.

FC Wettswil-Bonstetten – FC Kosova ZH 1:1

Während Tausende vor der Glotze das EM-Spiel Holland-Dänemark verfolgen, machen sich drei Lappi-Redaktoren auf den Weg ins Zürcher Hinterland, um sich ein anderes Fussballspiel anzusehen. Es ist ein warmer, sonniger Tag. In Scharen stürmen Rentner und solche, die es bald sein werden, den Zug nach Zürich. Mit Ellbogeneinsatz können wir uns gerade noch Plätze in einem Viererabteil sichern. Was die Damen und Herren trotz EM nach Zürich führt, ist uns schleierhaft. Wir wissen nur, was garantiert nicht der Grund ist: Das Spiel des FC Wettswil-Bonstetten gegen den FC Kosova ZH. Rund um den Fussballplatz des FCWB gibt es nämlich noch viel weniger Sitzplätze als in den SBB-Zügen. Passend dazu lautet auch der Name der Wettswiler Wiese: Stadion «Moos».

Am Bahnhof in Wettswil deutet nichts auf das grosse Match hin. Obwohl es sich immerhin um den letzten Spieltag der «2. Liga interregional, Gruppe 5» – so der offizielle Name – handelt. Klingt in etwa gleich bescheuert wie «Raiffeisen Super League». Auf jeden Fall steht der FCWB mit grossem Vorsprung auf Platz eins seiner Liga. Der Aufstieg ist also schon gesichert, und die Party dazu soll heute steigen. Da hätte man doch ein paar Hinweisschilder für auswärtige Gäste erwartet. Vielleicht hat in Wettswil einfach niemand damit gerechnet, dass von auswärts jemand kommt.

Dank der Karten-App auf dem iPhone finden wir den richtigen Weg trotzdem. Vorbei an einem Tümpel, zwei Eseln und mehreren Bauernhöfen gelangen wir zum Clubhaus des FCWB. Lärm dröhnt uns entgegen. Wir sehen einige Festtische und -bänke, dahinter eine improvisierte Bühne. Wir kämpfen uns zwischen heimischen Fans hindurch, von denen einige bereits das Aufstiegs-Shirt tragen, und begeben uns erstmal zur Bar, wo wir ein Stück Schaffhausen finden: Falkenbier. Kaum haben wir Platz genommen, ertönt aus den Boxen in ziemlich mieser Qualität der Soundtrack von «Pirates of the Caribbean». Das Zeichen für die Spieler. Sie kommen aus dem Clubhaus und gehen einen Meter neben uns vorbei auf den Rasen. Das sind noch Spieler zum Anfassen. Der Speaker klärt die Zuschauer darüber auf, dass der FC Kosova ZH dem Heimteam einen Harass kosovarisches Bier mitgebracht hat. Eine freundliche Geste. Und vor allem: Eine gute Idee, das Präsent zum Aufstieg vor dem Spiel zu überreichen. Danach hat man sich vielleicht nicht mehr so lieb.

Einiges an der Zeremonie erinnert an die grossen Fussballspiele aus dem TV. Spieler, die den FCWB verlassen, werden mit Blumen verabschiedet. Die Linienrichter kontrollieren die Tornetze. Der Schiri pfeift an. Sogleich bemerkt der aufmerksame Besucher aber einige ziemlich wichtige Dinge, die hier fehlen. Eine Matchuhr ist nicht in Sicht. Und vor allem hat es keine Balljungen. Der erste Schuss eines Kosova-Spielers landet gleich mal fünfzig Meter hinter dem Tor. Eine ältere Dame macht sich langsam auf den Weg Richtung Ball.

Ahnungslose TV-Kommentatoren werfen den Spaniern vor, ihr Tiki-Taka sei brotlose Kunst. Dabei ist dieses Kurzpass-Spiel alles andere als einfach. Die Spieler des FCWB beherrschen es scheinbar nicht. Fast alle ihrer Angriffe leiten die Verteidiger mit einem hohen Ball in Richtung gegnerisches Tor ein, oft mit wenig Erfolg. Aber es geht noch schlechter. Wenn es nämlich Javier Crespo Mendez – der Torhüter mit dem spanischen Namen und den österreichischen Füssen – mit einem weiten Abschlag versucht, heisst es meist «Achtung Ball!» Die Wahrscheinlichkeit, dass der lange Ball einem unachtsamen Zuschauer auf den Kopf prallt, ist um einiges höher, als dass er einen Stürmer der Rot-Schwarzen erreicht. Vielleicht ist die Stimmung unter den geschätzten 200 Besuchern deshalb ziemlich verhalten. Die junge Frau neben uns unterhält sich jedenfalls mit ihren zwei Kollegen über ihre Pickel-Probleme.

Plötzlich wird es zum ersten Mal laut. Der für seine Abschläge getadelte Goalie des FCWB pariert einen knallharten Schuss eines Kosovaren glänzend. Den folgenden Eckball bringt die Nummer 8 des in weissen Shirts spielenden FC Kosova hoch vor das Tor. Der Ball fliegt über Mendez hinweg, es sieht so aus, als würde der Eckball direkt im Tor landen – nein, er klatscht an den hinteren Pfosten. Viel Glück für das Heimteam. Kaum zu glauben, dass diese Mannschaft in der Rückrunde alle Partien gewonnen hat. Das letzte Team, von dem sie besiegt wurde, war – genau – der FC Kosova ZH. Und der macht jetzt richtig Druck. Eine Abseitsentscheidung bringt mehrere Kosova-Spieler in Rage. Die Lappi-Redaktion steht jedoch genau richtig und kann den Entscheid nur bestätigen. Es bleibt zur Pause beim 0:0.

Es mag ein Klischee sein, aber die Kosovaren bringen eine ordentliche Portion Aggressivität mit ins Spiel. Nicht ganz überraschend fliegt kurz nach der Pause der erste von ihnen vom Platz: Gelb-rote Karte. Die rund dreissig angereisten Kosova-Fans toben vor Wut. Schiedsrichter Daniel Locchi muss sich üble Schmährufe anhören. «Pfiife» und «Tubel» gehören zur harmlosen Sorte, die meisten und vermutlich schlimmeren Beschimpfungen ertönen aber in Albanisch. Offizielle Sicherheitskräfte sind übrigens keine anwesend. Aber wer weiss, vielleicht gibt es unter den Kosova-Fans den einen oder anderen, der für gewöhnlich dieser Arbeit nachgeht. Oder unter den Spielern.

Obwohl der FC Kosova nur noch mit zehn Mann auf dem Feld ist, schlägt der Ball wenig später zum ersten Mal im Tor der Rot-Schwarzen ein. Alban Hotjani bringt die Gäste in Führung. Wenig später fast das 0:2. Einen Freistoss kann der zur Pause neu eingewechselte Goalie Davide Maggiulli für die Wettswiler gerade noch um den Pfosten lenken. Das war knapp.

An der Seitenlinie singt ein Grüppchen Mädchen «let’s go WB, let’s go». Viel Geduld haben sie aber nicht. Die gleichaltrigen Jungs, die auf dem Nebenplatz kicken, sind viel interessanter.

Auf dem grossen Platz versuchen die Kosovaren, Zeit zu schinden, indem sie mit dem Ball zur Eckfahne laufen. Doch diesmal klappt᾽s nicht. Die Wettswiler erobern sich die Kugel. Es läuft die gefühlte 95. Minute. Ein hoher Ball nach vorne. Gerangel. Ein Pfiff. Penalty! Tobende Kosovaren auf dem Feld und drumherum. Das darf doch nicht wahr sein. Srdjan Aksic, der serbische Torjäger in den Reihen des FCWB, nimmt sich den Ball und haut ihn ins Tor. Abpfiff. Aus. 1:1.

Das Schiedsrichter-Trio verlässt eilig das Feld und verschwindet in der Kabine. Die Kosova-Spieler lassen die Köpfe hängen. Die Nummer 8 mag kein Interview geben. Er hält die Anfrage für einen Scherz. «Wotsch mi verarsche?» Srdjan Aksic ist auskunftsfreudiger: «Normal Penalty, das isch de Job vom Captain. Er macht Penalty sehr gut, sehr richtig. Aber er hat sich verletzt in vierzigschte Minute und dann kommt die Chance für mich.»

Für die Meisterparty bleibt das Lappi-Team dann nicht mehr. Eine Hundsverlochete auf dem Feld genügt uns, da braucht’s keine zweite am Festbank. Immerhin war das miese Gekicke des FCWB nicht im TV zu sehen. Von anderen Mannschaften kann man das nämlich nicht behaupten. Gell, lieber Arjen Robben.

Dieser Artikel erschien am 24. August 2012 im Magazin «Lappi tue d’Augen uf»