Rechtsrutsch oder Status quo

SVP und FDP wollen die Mehrheit im Stadtrat erobern. Wird SP-Kandidatin Christine Thommen nicht gewählt, rückt die Stadt nach rechts.

Linker wirds nicht. So viel ist bereits klar. Die Schaffhauser Linke kann bei den Stadtratswahlen Ende August nur den Status quo halten – oder es gibt einen Rechtsrutsch.

Zwei rechte Männer und eine linke Frau wollen den frei werdenden Stadtratssitz von Simon Stocker (AL) übernehmen. Schafft SP-Kandidatin Christine Thommen die Wahl, wird die Stadt aller Wahrscheinlichkeit nach wie bis anhin politisch ausgeglichen regiert werden: von zwei linken Stadtratsmitgliedern, einer Vertreterin der politischen Mitte (GLP) und zwei bürgerlichen Männern. Gelingt ihr das aber nicht, rückt der Stadtrat nach rechts, egal ob Diego Faccani (FDP) oder Michael Mundt (SVP) den Sprung ins fünfköpfige Gremium schaffen. Die Frage ist nur: wie weit nach rechts.

Zwei Brüder im Geiste

Obwohl erst 34 Jahre alt, ist Michael Mundt bereits ein ziemlich bekannter Name auf der Schaffhauser Politbühne. Das auch deshalb, weil ihn die SVP im vergangenen Jahr zusammen mit den politischen Schwergewichten Thomas Hurter und Hannes Germann in die nationalen Wahlen schickte. Mundt wurde zwar nicht gewählt, konnte sich aber vielerorts in Szene setzen. Auch die AZ widmete dem Bankkaufmann zwei Seiten (siehe Ausgabe vom 15. August 2019) und bezeichnete ihn dabei als «zweiten Preisig». Dass die SVP Mundt schon diesmal in den Stadtrat hieven will, kam dann allerdings zumindest bei einem Freisinnigen nicht allzu gut an. Mundts Kandidatur sei «ein Seich», weil sie Faccani schade, meinte FDP-Urgestein Thomas Hauser Ende Mai nach Bekanntgabe der Kandidatur. In der Tat hätte es nicht zwei neue bürgerliche Kandidaten benötigt, um im Stadtrat die Mehrheit nach rechts zu kippen, wie es das gemeinsame Ziel von FDP und SVP ist.

Nachdem man sich offenbar zu Beginn des Wahlkampfs nicht abgesprochen hatte, haben sich die beiden rechten Parteien inzwischen aber doch noch auf eine gemeinsame Strategie geeinigt: Wie sie diese Woche bekanntgaben, empfehlen sie sich als sogenanntes Viererticket (Rohner, Preisig, Faccani, Mundt) gegenseitig zur Wahl. Das Ziel ist klar: die bürgerlichen Wählerinnen und Wähler vereinen und möglichst wenige Stimmen an Mitte-Links abgeben. Ähnliches versuchte die linke Seite vor vier Jahren bei den Regierungsratswahlen.

Kommt hinzu, dass man die politischen Unterschiede zwischen Michael Mundt und Diego Faccani sowieso mit der Lupe suchen muss. Vergangene Abstimmungen im Stadtparlament (siehe Kasten nebenan) zeigen klar, wofür die beiden stehen: Sie sind gegen das Projekt Kammgarn-West (siehe auch Seite 8), gegen das Duraduct, gegen den Abbau von Parkplätzen in der Altstadt und gegen das Vorhaben, den städtischen Stromversorger SH Power zu verpflichten, künftig nur noch Ökostrom anzubieten. Oder wie es AL-Grossstadträtin Bea Will sagt: «Beide sind Sparfüchse, die alles abbremsen, was Geld kostet. Die Stadt braucht in den nächsten Jahren finanzielle Ressourcen für wichtige Investitionen in die Bildung, den Klimaschutz und ein zukunftsorientiertes Verkehrskonzept. Ich mag mir nicht ausmalen, was mit der Entwicklung unserer Stadt geschieht, wenn einer der beiden ‹erfrischend› Bürgerlichen gewählt werden sollte.»

Disput um Schulleitungen

Am anderen Ende des politischen Spektrums kommen hingegen beide bürgerlichen Kandidaturen gut an. Beat Brunner, Gastrounternehmer und EDU-Grossstadtrat, sagt: «Gerade jetzt in Zeiten der Coronakrise ist es umso wichtiger, dass die Stadt sorgsam mit ihren Steuereinnahmen umgeht.» Dafür würden sowohl Mundt wie auch Faccani einstehen, meint Brunner.

Während Mundt zum ersten Mal für den Stadtrat kandidiert, hat das Diego Faccani schon einmal erlebt. Vor vier Jahren scheiterte er allerdings im Duell gegen Katrin Bernath (GLP). Nun will es der 55-jährige Schuhmachermeister nochmals wissen. «Als Vertreter des Gewerbes wird sich Diego Faccani für eine lebendige Altstadt einsetzen», sagt Beat Brunner. Ausserdem habe Faccani erkannt, dass man um Schulleitungen mittlerweile nicht mehr herum komme.
Schulleitungen: Das ist einer der wenigen Unterschiede zwischen Mundt und Faccani. Das Thema sorgte einst sogar für einen kurzen Disput zwischen den beiden bürgerlichen Herren: Faccani hatte vor zwei Jahren einen politischen Vorstoss eingereicht, in dem er (nach den Abstimmungspleiten von 2010 und 2012) erneut die Einführung von Schulleitungen forderte. Die SVP und Mundt lehnten dies kategorisch ab. Mundt selber packte dabei den verbalen Zweihänder aus und sagte an der Debatte im März 2019: Ausgerechnet die FDP, «welche sich doch stets eine schlanke Verwaltung und einen schlanken Staat auf die Fahne schreibt», stehe nun für geleitete Schulen, die «den Steuerzahler Jahr für Jahr wiederkehrend Millionenbeträge kosten und den Verwaltungsapparat weiter aufblähen werden». Und: «Bitte konzentriert euch wieder auf eure Kernkompetenzen, Unternehmertum und Eigenverantwortung fördern, weniger Bürokratie und weniger Steuern.»

FDP-Mann Diego Faccani konterte: «Auch die Bildung, das ist wie in der Privatwirtschaft, muss ab und zu wieder überdacht werden. Nicht neu erfunden, aber einfach überdacht werden.»

Zusammengefasst heisst das: Der eine bürgerliche Mann ist noch etwas rechter als der andere.

Die linke Hoffnungsträgerin

Jene, die eine bürgerliche Mehrheit im Stadtrat verhindern will, ist ausgerechnet eine frühere FDP-Politikerin. Christine Thommen, 43-jährig, seit 2013 Leiterin der Schaffhauser Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB, hat seit zwei Jahren bei der SP eine neue politische Heimat gefunden. Wobei, Thommen sei ja schon immer links gewesen. Das sagt sie selber (siehe AZ vom 22. Mai 2020) ebenso wie praktisch alle, die man heute fragt. So auch EDU-Mann Beat Brunner, der vor zehn Jahren noch zusammen mit Thommen im Stadtparlament sass: «Sie hat schon damals in der äusserst linken politischen Ecke der FDP politisiert», sagt er. Heute, bei der SP, sei Christine Thommen «am richtigen Ort», was wiederum der Grund sei, warum er sie nicht wählen werde. «Thommen steht wie die gesamte SP für einen weiteren Ausbau des Verwaltungsapparats. Ich hingegen will mehr Eigenverantwortung», so Brunner.

Unterstützung erhält die SP-Kandidatin dafür von Bea Will. Christine Thommen sei eine «Powerfrau», die sicherlich problemlos in die Fussstapfen von Simon Stocker treten könne, meint die AL-Politikerin: «So, wie ich sie am Hearing bei unserer Parteiversammlung erlebt habe, wird sie dem gesamten Stadtrat etwas mehr Pfupf geben.» Und aus politischer Perspektive zeigt sich Bea Will überzeugt, dass Thommen bei Themen wie Langsamverkehr, Bildung, Gleichberechtigung und Familienfreundlichkeit einen klaren (linksgrünen) Kurs fahren werde.

Das sieht der abtretende Sozialreferent Simon Stocker offenbar genauso. Er liess es sich nicht nehmen, auf Facebook eine Empfehlung abzugeben, wer seine Nachfolge antreten soll: Christine Thommen.

Dieser Artikel erschien am 6. August in der Schaffhauser AZ.

FCS: Aufstieg in drei Jahren

Mit der anfänglichen Zurückhaltung ist es vorbei: Jetzt sagt Roland Klein, er wolle mit dem FC Schaffhausen wieder in die Super League.

«Traumschlösser werden sicher nicht gebaut, das kann ich garantieren.» Das sagte Roland Klein vor einem Jahr, als er neuer Präsident des FC Schaffhausen wurde. Nun ging am vergangenen Wochenende die erste Saison der Ära Klein zu Ende. Die Baustellen bleiben gross: Hauptsponsor weg, Sicherheitschef weg, rote Zahlen, zweitletzter Platz. Und trotzdem träumt der Club bereits wieder von der Super League.

Roland Klein, ich nehme an, Sie haben sich die erste Saison beim FCS anders vorgestellt. Wie lautet Ihr Fazit? Abhaken und nach vorne schauen?

Roland Klein Nach vorne schauen sicher. Abhaken noch nicht ganz. Man muss immer darauf achten, aus dem Vergangenen Schlüsse zu ziehen und es in Zukunft besser zu machen. Finanziell gesehen haben wir die Kurve hinbekommen, der Club stand kurz vor dem Bankrott, heute steht er auf gesunden Beinen, alle Rechnungen sind bezahlt. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Es gab viele negative Schlagzeilen: Streitereien um die Stadionmiete, Mobbingvorwürfe, offene Schulden bei der Stadion AG. Und als man dachte, es kann nicht mehr schlimmer kommen, kam noch die Coronakrise. Gab es nie eine Phase, in der Sie darüber nachgedacht haben, alles wieder hinzuschmeissen?

Nein. Ich habe gewusst, dass es nicht einfach wird. Aber ich habe schon genug Erfahrungen im Fussballgeschäft gesammelt, um das alles richtig einschätzen zu können.

Sportlich lautete Ihr Ziel, den Ligaerhalt zu schaffen. Das war geschenkt, nachdem entschieden wurde, dass es wegen der Coronakrise keinen Absteiger geben wird. Ansonsten sieht die Bilanz relativ bescheiden aus: Nur sechs Siege in 36 Spielen, weniger als ein Tor pro Spiel erzielt. Lag einfach nicht mehr drin?

Die nackten Zahlen sind sehr negativ. Es war aber klar, dass die erste Saisonhälfte sehr schwierig werden würde. Die Vorbereitungszeit nach der Übernahme des Clubs war sehr kurz. Dann, Anfang der zweiten Saisonhälfte, hatten wir einen guten Lauf. Man sah einen Aufwärtstrend. Bis die Zwangspause kam. Nachher hatten vor allem die jungen Spieler grosse Mühe, wieder den Tritt zu finden. Sie sind vielleicht etwas leichtfertiger mit der Situation umgegangen und dachten sich: Wir sind dann schon parat, wenn es wieder losgeht. So war es aber nicht. Die Fitness hat gefehlt.

Diese Saison hat auch gezeigt, dass Murat Yakin allein keine Wunder bewirken kann. Dennoch haben Sie die Verträge mit den Yakins verlängert. Was für eine Rolle spielt Murat Yakin beim FCS? Er bezeichnet sich ja selber als «Trainer plus».

Normalerweise kommen und gehen Trainer innert kurzer Zeit. Das garantiert keine Konstanz. Wenn man den sportlichen Erfolg planen will, muss man Konstanz reinbringen. Und für einen Club wie Schaffhausen ist es schon speziell, Personen wie Murat und Hakan Yakin hier zu haben. Ich glaube, die sportliche Führung, die wir hier haben, ist etwas vom Besten, das es gibt, auch im Vergleich mit den Super-League-Clubs.

Ob sich der FCS gute Spieler leisten kann, hängt bekanntlich mit den finanziellen Mitteln zusammen, die dem Club zur Verfügung stehen. Nun ist der bisherige Hauptsponsor Bollinger aber ausgestiegen. Was stimmt Sie optimistisch, ausgerechnet in Krisenzeiten neue Unternehmen zu finden, die beim FCS Geld für Werbung ausgeben werden?

Zuerst einmal muss ich der Firma Bollinger danken, dass sie den Club viele Jahre lang finanziell unterstützt hat. Das ist aussergewöhnlich. Thomas Bollinger war auch in schwierigen Zeiten dabei. Er hat aber schon vor einem Jahr gesagt, dass das die letzte Saison sein werde, in der er als Trikotsponsor auftreten wird. Das hat also nichts mit der Coronakrise zu tun. Aber sicher wird es schwierig, in dieser Zeit neue Sponsoren zu finden. Wenn man wüsste, ab wann es wieder normal weitergeht… So ist es fast unmöglich zu planen.

«In den letzten Monaten bestanden die einzigen Einnahmen aus dem Verkauf einer Handvoll Würste.»
Roland Klein

Was bedeutet das für das Budget der kommenden Saison? Gibt es ein Worst-Case-Szenario?

Wir haben ein Budget von rund drei Millionen Franken. Das zeigt, wie viel pro Monat reinkommen muss. In den letzten Monaten bestanden die einzigen Einnahmen aus dem Verkauf einer Handvoll Würste. Es kann eine sehr harte Zeit werden. Aber generell können Vereine in der Challenge League kein Geld verdienen. In der Super League ist es möglich, wenn man vernünftig wirtschaftet. Die Einnahmen in der Super League, unter anderem aus Fernsehgeldern, sind sechsmal höher.

Das heisst, der FCS muss aufsteigen?

Wir wollen in den nächsten zwei, drei Jahren in die Super League.

Dafür muss aber investiert werden. Der «Blick» warf die Frage auf, ob Patrick Liotard-Vogt, der Enkel eines früheren Nestlé-Managers, beim FCS als Investor einsteigt, nachdem Sie ihn zu einem Heimspiel eingeladen hatten. Was ist da dran?

Wir haben lose Gespräche geführt und werden sehen, ob es irgendwann zu einer Zusammenarbeit oder einer Partnerschaft kommt.

Es gibt immer wieder Clubs wie Neuenburg Xamax oder der FC Wil, bei denen Investoren einstiegen, keinen Erfolg hatten, wieder abzogen und einen enormen Schuldenberg hinterliessen. Teilweise gingen die Vereine pleite und mussten in den Amateurligen neu anfangen. Das nährt die Skepsis.

Im Moment gibt es mit Ineos bei Lausanne und Champion Union HK Holdings Limited bei GC Investoren, die – so denke ich – einen seriösen Job machen. Natürlich verstehe ich, dass es Bedenken gibt. Der FC Wil wollte mehr, als er sein kann. Sie hatten höhere Ambitionen und hatten das Gefühl, mit den türkischen Investoren ist das möglich.

Ist der FC Schaffhausen nicht auf einem ähnlichen Niveau wie der FC Wil?

Es kommt immer darauf an, wie man das Ziel erreichen will. Alles auf eine Karte setzen, fünf Spieler einkaufen, die das Budget enorm belasten und hoffen, dass es klappt, das wollen wir nicht. Wir haben zwar jetzt neue Spieler geholt, die uns qualitativ weiterbringen werden, das glauben wir jedenfalls, aber die verdienen einen Lohn, der in einem vernünftigen Rahmen liegt und den wir tragen können.

GC und Lausanne gehören Investoren, die noch weitere Teams in anderen Ligen besitzen. GC wurde auch schon das «Farmteam» des englischen Premier-League-Clubs Wolverhampton Wanderers genannt. Kann das die Lösung sein?

Ich glaube, im Fussball werden solche Konstrukte künftig noch häufiger auftauchen. Vor allem in kleineren Ländern wie der Schweiz, Österreich oder Dänemark. Weil sie wirtschaftlich Sinn machen. Für einen Schweizer Club ist es unglaublich schwierig geworden, einen guten ausländischen Spieler zu holen. Früher war das möglich, der FCS konnte Spieler aus der zweiten deutschen Bundesliga holen. Jogi Löw, Uwe Dreher, Axel Thoma. Es war für sie attraktiv, in der Schweiz zu spielen. Inzwischen haben sich die Löhne enorm unterschiedlich entwickelt, die Schere ging extrem auseinander. In der Super League gibt es noch ein paar wenige Spieler, die sehr gute Löhne erhalten. Aber ansonsten ist die Super League zu einer Verkaufsliga geworden. Die Clubs bilden junge Spieler aus und verkaufen sie dann an ausländische Vereine. Ich meine: Wolverhampton bekommt mindestens 100 Millionen Pfund allein aus Fernsehgeldern. Das heisst, der Verein kann es sich leisten, junge Spieler zu kaufen und diese für ein, zwei Jahre in tieferen Ligen spielen zu lassen. Wenn es der Schweizer Fussball geschickt anstellt, kann er davon profitieren. Und solange es auf dem Spielfeld noch stimmt und die Partnerschaften langfristig ausgelegt sind, spielt es keine Rolle, wer hinter den Kulissen das Geld gibt.

«Eine zweite Profiliga ist aus wirtschaftlicher Sicht einfach nicht mehr realistisch.»
Roland Klein

Wenn der FCS Teil eines solchen Konstrukts wird, dann wären Sie als Club-Präsident aber nur noch der Schaffhauser Abteilungsleiter einer internationalen Fussballfirma.

(lacht) Wenn es einmal so weit kommen sollte, dann bin ich vielleicht nicht mehr hier. Nein, der FC Schaffhausen wird sicher nicht Teil der Wolverhampton Wanderers oder von Manchester United, das ist klar. Aber vielleicht finden wir jemanden, der beim FCS einsteigen wird.

Sie haben einmal gesagt, Sie hätten die Ausgaben des Clubs um zwei Millionen Franken gesenkt…

2,5 Millionen…

Schreibt der FCS jetzt eine schwarze Null?

Nein. Aber es ist alles bezahlt.

Und wer hat das Defizit übernommen?

Es gibt nicht viele, die dafür infrage kommen.

Das heisst, Sie persönlich haben das Loch gestopft?

Unter anderem. Um den FCS zu retten, waren während den letzten zwölf Monaten viele beteiligt. Manche auch nur im Hintergrund.

Wie viel mussten Sie persönlich einschiessen?

Das will ich nicht sagen.

Eine Grössenordnung?

Das soll privat bleiben.

Und obwohl der FCS keine schwarzen Zahlen schreibt, wird jetzt der Aufstieg anvisiert? Wie soll das funktionieren? Gegenüber vielen anderen Clubs in der Challenge League, gerade gegenüber GC, wird der FCS – was die finanziellen Mittel angeht – immer der Underdog bleiben.

Es gibt ja noch die Möglichkeit, als Zweitplatzierter über die Barrage aufzusteigen. Und es muss auch noch nicht nächste Saison klappen. Klar wäre es mir lieber gewesen, GC wäre aufgestiegen, dann hätten wir in der nächsten Saison eine ausgeglichenere Liga.

Zum Schluss: Während der Zwangspause wurde darüber diskutiert, die Super League auf zwölf Vereine aufzustocken und die Challenge League auf acht Teams zu reduzieren. Sie sprachen sich dafür aus, der Vorschlag wurde aber abgelehnt. Warum?

Ich habe den Eindruck, als würden wir Clubs auf ein Rotlicht zufahren, die Augen zumachen und hoffen, dass von links und rechts nichts kommt, wenn wir uns nur auf die Bundeskredite verlassen. In der 12er-Super-League und der 8er-Challenge-League hätte es ein Jahr lang keine Absteiger gegeben. Dies hätte es finanziell schwächeren Clubs ermöglicht, sich ein Jahr lang, mit stark verminderten Ausgaben, der schwierigen Coronazeit zu widersetzen. Klar wäre eine Challenge League ohne Aufsteiger nicht besonders spannend gewesen, aber die Vereine hätten massiv Kosten sparen können. Eine zweite Profiliga mit zehn Teams ist aus wirtschaftlicher Sicht einfach nicht mehr realistisch. Aber vielleicht werden nicht alle Vereine durch die Coronakrise kommen und es wird am Ende nur noch 14, 15 oder 16 Clubs geben, die einen Profibetrieb aufrechterhalten können. Dann bleibt womöglich gar keine andere Wahl, als aus Super League und Challenge League eine gemeinsame Liga zu bilden. Wer weiss.

Dieses Interview erschien am 6. August in der Schaffhauser AZ.

Blos e chlini Revolution

Wahlen: Einst haben sie ihn verschmäht. Jetzt soll Patrick Strasser für die SP einen zweiten Sitz im Regierungsrat erobern. Ein Besuch in Oberhallau.

Patrick Strasser (SP). Bild: SP

Es riecht dezent nach Kuhmist, es gibt nur eine einzige Bushaltestelle, man zahlt die zweithöchsten Steuern im ganzen Kanton und fast 60 Prozent (Nationalratswahl 2019) wählen SVP. Ist das der reinste Albtraum? Nein, es ist bloss Oberhallau.

Montagmorgen im Chläggi, auf dem Weg zu Patrick Strasser, dem Mann, der für die Schaffhauser Sozialdemokraten Versuch Nummer 6 auf sich nimmt, einen zweiten Sitz im Regierungsrat zu erobern. 20 Jahre sind mittlerweile vergangen, seit die Partei diesen zweiten Sitz im fünfköpfigen Gremium verloren hat. Neu ist: Noch nie hat es ein SPler aus Oberhallau versucht.

Wie tickt dieser Patrick Strasser? Und vor allem: Warum zieht ein Sozi ausgerechnet nach Oberhallau?

Entspannen mit Hardrock und Metal

Strasser sitzt am Terrassentisch und witzelt: «Bestimmt nicht wegen des Steuerfusses. Ich bin ja kein Rechter.» Dafür gebe es in Oberhallau andere Dinge. «Lebensqualität. Mä gseht’s jo.» Und er hat recht. Von Strassers Garten am Rand des Dorfes ist die Sicht auf das Chläggi frei. Der Blick fällt über grüne Maisfelder, gelb-braune Äcker und Reben zur Hallauer Bergkirche im Westen und zu den drei bewaldeten Hügeln Hasebärg, Rossbärg und Wannebärg im Süden. Mol, hier lässt es sich bestimmt nicht allzu schlecht wohnen, wenn man die Abgeschiedenheit mag.

Seit sieben Jahren lebt Patrick Strasser zusammen mit seiner Frau in Oberhallau und fährt – sofern kein Home-Office ansteht – mit seinem Toyota Yaris täglich nach Kloten. In der Flughafenstadt hat Strasser einen Kaderjob bei der Stadtverwaltung inne. Auf dem Weg zur Arbeit – etwa 45 Minuten dauert die Fahrt – lege er jeweils eine CD mit Hardrock oder Metal ein. «Andere regen sich über diese Musik auf, für mich ist das entspannend», sagt der SPler.

Ausserdem sei in der heimischen Besenbeiz immer wieder etwas los: «Oberhallau ist die Festhauptstadt des Klettgaus», sagt Strasser. Man finde immer einen Grund zum Feiern, und sei es das Jubiläum des Dorfladens.

Feiern, das tat Strasser auch Ende der 80er in der Schaffhauser Altstadt, im Jugendkeller, hin und wieder im Domino, erzählt er. Dabei hätten immer wieder Nazi-Skins auf den Gassen ihr Unwesen getrieben. «Leute wurden verprügelt. Ich wurde auch einmal angepöbelt», sagt er. Die Skins, der saure Regen und die konservativ denkenden Lehrer an der Kanti hätten ihn politisiert. Mit 20 Jahren trat Strasser der Juso bei. Es war der Anfang einer politischen Karriere, die ihn zu unzähligen Ämtern brachte und zu einem der erfahrensten Politiker des Kantons machte: 19 Jahre Kantonsrat, Kantonsratspräsident, Gemeinderat in Neuhausen und Oberhallau.

«Kein extremer Sozi»

Aufgewachsen in Neuhausen, pendelte Strasser Anfang der 90er nach Zürich, wo er Soziologie, Politikwissenschaften und Publizistik studierte. Anschliessend arbeitete er als Berufsschullehrer in Winterthur, bis er 2004 zum Berufspolitiker wurde. Zwar verlor Strasser, damals 33-jährig, den Kampf ums Neuhauser Gemeindepräsidium gegen Stephan Rawyler, schaffte aber die Wahl in den Gemeinderat. Acht Jahre lang war Strasser Schulreferent, bis er sich entschloss, weiterzuziehen und wieder Milizpolitiker zu werden.

2013, nach dem Rücktritt aus dem Neuhauser Gemeinderat, zog er zusammen mit seiner Frau in den Klettgau. Prompt machten die Oberhallauerinnen und Oberhallauer Strasser zum Finanzreferenten. Warum traute man ausgerechnet einem Sozi zu, mit Geld umgehen zu können?

Hansueli Graf, Gemeindepräsident und SVP-Kantonsrat, lacht: «Die Finanzen waren gerade frei. Wer neu dazukommt, nimmt das, was übrig ist. So läuft das bei uns.» Ausserdem sei Strasser ja «kein extremer Sozi». Und: Strasser habe seinen Job einwandfrei gemacht, sei immer gut vorbereitet gewesen und sei sowieso ein umsichtig handelnder Mensch.

Wird der SVP-Gmeindspräsi den Sozi Patrick Strasser wählen? «Ja, weil er ein guter Oberhallauer ist», sagt der SVPler.

Und jetzt? Wird der SVPler den SPler in den Regierungsrat wählen? «Ich halte Patrick Strasser für absolut wählbar», sagt Graf. Was heisst das konkret? Wird Graf den Namen Patrick Strasser auf den Wahlzettel schreiben? «Ja, weil er ein guter Oberhallauer ist», sagt der Gmeindspräsi schliesslich.

Der erste Oberhallauer Regierungsrat wäre Strasser indes nicht. Man muss allerdings weit zurückschauen: 1846 war es, als laut Stadtarchiv zwei Männer namens Johannes Tanner und Johannes Surbeck für Oberhallau in der Schaffhauser Regierung sassen. Damals wurden die Regierungsräte allerdings noch vom Parlament gewählt.

In die Regierung will jetzt auch Patrick Strasser. Dabei schien es Anfang des Jahres bereits, als wäre die politische Karriere des 49-Jährigen zu Ende. Im Februar trat Strasser aus beruflichen Gründen aus dem Parlament zurück. Er habe schlicht keine Zeit mehr gehabt: «Wenn ich etwas machen will, dann richtig», sagt er. Einfach nur Debatten absitzen und zum richtigen Zeitpunkt aufs Knöpfli drücken, wie das andere teilweise machen würden, das wollte er nicht.

Schon damals stand Strasser aber offenbar im Stand-by-Modus, um allenfalls nochmals die politische Bühne zu betreten. Der Oberhallauer sagt heute, er sei schon im vergangenen Herbst von der Parteileitung angefragt worden, ob er sich zur Verfügung stellen würde, sollte sich keine Frau finden. Er hat zugesagt. Und jetzt, nachdem sich keine Frau finden liess, ist er, der schon 2016 gerne kandidiert hätte, aber damals von der Basis verschmäht wurde, die Hoffnung der SP. Dass er zu rechts und damit zu wenig auf Parteilinie sei, wie es vor vier Jahren hinter vorgehaltener Hand hiess, sagt heute keiner mehr.

Für Recht und Ordnung

Linksaussen, bei der AL, scheint sich die Begeisterung über die Kandidatur von Patrick Strasser allerdings in Grenzen zu halten. Auf die Frage eines Journalisten an der offiziellen Pressekonferenz der SP diese Woche, ob die AL die SP-Kandidaturen unterstütze, meinte der etwas ratlos wirkende SP-Chef Daniel Meyer, die AL sei ja bekanntlich «relativ volatil».

Florian Keller, Gründer der AL und einst Fraktionskollege von Strasser, macht am Telefon den Eindruck, von allen Kandidatinnen und Kandidaten etwas desillusioniert zu sein, auch von Patrick Strasser. Der SPler, einst Präsident des Schaffhauser Polizeibeamtenverbandes, sei ein Law-and-Order-Politiker, meint Keller: «Immer, wenn es darum ging, persönliche Grundrechte zugunsten eines allgemeinen Sicherheitsgefühls einzuschränken, war er sehr unkritisch.» Als Beispiel nennt Florian Keller das Hooligan-Konkordat, das 2014 zur Abstimmung kam und für das sich Strasser in der SP-Fraktion vehement eingesetzt habe.

Strasser weiss, dass er es sich mit seiner Haltung pro Hooligan-Konkordat zwischenzeitlich auch mit der Juso verscherzt hatte. Das sei aber inzwischen kalter Kaffee, sagt er heute. Nun steht die Juso hinter Strasser.

AL-Gründer Florian Keller bleibt hingegen skeptisch. Auf die Frage, ob er Strasser wählen werde, überlegt Keller lange, äussert eine erste Meinung, überdenkt sie und sagt schliesslich: «Am liebsten würde ich gar niemanden wählen. Vielleicht wähle ich diesmal aber sogar SVP, wenn das hilft, Christian Amsler zu verhindern.»

Hauptsache gegen Amsler. Das scheint der gemeinsame Nenner derjenigen zu sein, die Strasser wählen.

Der Angriff zielt auf Amslers Sitz

Die SP macht keinen Hehl daraus, dass sie einen FDP-Sitz im Visier hat. Und: Spätestens seit den Ständeratswahlen ist der einstige Bundesratskandidat Amsler angeschlagen. Nun kamen jüngst die Enthüllungen der PUK zur Causa Schulzahnklinik hinzu.

Auch Strasser selber äussert Kritik am Erziehungsdirektor und zählt dessen beim Stimmvolk gescheiterten Vorlagen auf: die Sparmassnahmen bei der Kieferorthopädie, der Abbau von Schullektionen, die Schulleitungen. Bei den Schulleitungen hätte man auf Freiwilligkeit statt auf Pflicht setzen sollen, sagt Strasser: «Das war mein Antrag. Ich bin überzeugt, dass es dann zu einem Ja gereicht hätte», sagt der SP-Kandidat. Insgesamt sei die «Performance» des Erziehungsdirektors im Vergleich mit anderen Mitgliedern des Regierungsrates schlicht «nicht gut gewesen», meint Strasser.

«Lieber kleine Schritte vorwärts als gar keine.»
Patrick Strasser, SP

Allzu scharfe Giftpfeile schiesst Strasser aber nicht ab. Es scheint auch nicht in seinem Naturell zu liegen. Strasser ist keiner, der grosse Wutreden schwingt. Während einige linke Politikerinnen und Politiker nach ein paar Jahren im Kantonsrat frustriert ihren Sessel räumen und beim Abgang klagen, wegen der bürgerlichen Sturheit könne man im Parlament nichts erreichen, sagt Strasser Sätze, die manch linkem Kämpferherz womöglich in der Seele wehtun, zum Beispiel: «Es nützt nichts, zu klagen. Es braucht Geduld.» Und: «Lieber kleine Schritte vorwärts als gar keine.»

Die grosse linke Revolution auszurufen, klingt anders. Aber: Mit wehender Sozialismus-Fahne in der Hand unterzugehen, das hat die Schaffhauser Linke schon mehrfach fertiggebracht. Der Stil des Patrick Strasser ist das nicht. Er will: Blos en zweite Sitz.

Dieser Artikel erschien am 30. Juli in der «Schaffhauser AZ».