Neuhausen: Rawyler tritt ab

Neuhausen sucht einen neuen Gemeindepräsidenten. Roland Müller (Grüne) steht bereits in den Startlöchern.

Stephan Rawyler (FDP) zieht sich aus der Politik zurück. Das gab der Neuhauser Gemeindepräsident diese Woche bekannt. Neben Beringen und Thayngen wird damit Ende August auch in Neuhausen ein neuer Gemeindepräsident oder – es wäre das erste Mal in der Geschichte Neuhausens – eine Gemeindepräsidentin gewählt.

Rawyler übernahm 2005 als Nachfolger von Hansjörg Wahrenberger (SP) das Präsidium der Rheinfallgemeinde. Zuvor war er schon sechseinhalb Jahre Mitglied des Gemeinderats gewesen. Nach sieben Jahren im Kantonsrat und 22 Jahren in der Neuhauser Regierung hat er nun genug von der Politik. Nicht, weil ihm das Amt des Gemeindepräsidenten keine Freude mehr bereite, betont Rawyler, sondern weil es Zeit sei, einer jüngeren Person Platz zu machen. Rawyler wird in diesem Jahr 59 Jahre alt. Er wolle künftig in reduziertem Pensum wieder als Anwalt tätig sein.

Nachdem Rawyler 2008 und 2012 jeweils ohne Konkurrenz im Amt bestätigt wurde, schienen sich die kritischen Stimmen in den letzten Jahren allerdings zu häufen. Vor allem die rege Bautätigkeit missfiel Rawylers Kritikern um den parteilosen Einwohnerrat Thomas Theiler. Dennoch wurde Rawyler 2016 mit 54 Prozent der Stimmen gegen seinen Herausforderer Roland Müller (Grüne) zum dritten Mal wiedergewählt. 

Stellt sich die Frage: Wer wird Rawylers Nachfolger? Roland Müller sagt: Unabhängig vom Rücktritt von Stephan Rawyler habe er sich überlegt, nach 2016 erneut als Gemeindepräsident oder als Gemeinderat zu kandidieren. «Daran ändert sich nichts.» Über eine Nomination würden die Mitglieder seiner Partei entscheiden. 

Einwohnerrat Thomas Theiler, der bereits seine Kandidatur für den Gemeinderat angekündigt hat, kann sich das Amt des Gemeindepräsidenten hingegen nicht vorstellen. Er sei Handwerker durch und durch und wolle keinen reinen Bürojob. Einer allfälligen Kandidatur von Roland Müller sieht er durchaus positiv entgegen, wenn es ihm gelinge, «radikale grüne Ansichten» ein Stück weit zurückzustecken.

Von den amtierenden Gemeinderatsmitgliedern Franziska Brenn (SP), Ruedi Meier (SP), Christian Di Ronco (CVP) und Dino Tamagni (SVP) kündigt bislang niemand eine Kandidatur für das Präsidium an. Franziska Brenn sagt, sie sei mit ihren Ämtern als Sozialreferentin und Kantonsrätin grundsätzlich sehr zufrieden und werde voraussichtlich für beide Posten wieder kandidieren, aber kaum für das Präsidium. Ähnlich äussert sich Schulreferent Ruedi Meier. Auch er möchte Gemeinderat bleiben, sagt zum Präsidium aber «eher nein». Und Heimreferent Christian Di Ronco (CVP) hat ebenfalls vor, nochmals als Gemeinderat zu kandidieren, zum Präsidium will er sich nicht äussern. 

Ein Stück weit in einer Zwickmühle steckt die Neuhauser SVP. Der amtierende Finanzreferent Dino Tamagni wird immer wieder als möglicher Regierungsratskandidat gehandelt. Dort wird allerdings erst ein Platz frei, wenn sich Ernst Landolt entscheidet, zurückzutreten. 

Sollte das geschehen und sollte die Parteibasis Tamagni nominieren, müsste die Neuhauser SVP einen neuen Gemeinderat suchen, sofern sie das Amt nicht kampflos abgeben will. Parteipräsident Andreas Neuenschwander sagt dazu, er mache sich selbstverständlich über alle Szenarien Gedanken. Dino Tamagni meint, es gebe «verschiedene Optionen».

Bedeckt hält sich auch die FDP: «Ich gehe davon aus, dass wir jemanden nominieren werden, um weiterhin im Gemeinderat vertreten zu sein», sagt Parteipräsident Peter Fischli. Die Suche läuft.

Dieser Text erschien am 27. Februar in der «Schaffhauser AZ».