Kanton zahlt «SN»-Studie

Die Meier & Cie AG wollte zusammen mit der Journalistenschule MAZ eine Schaffhauser Medienakademie gründen. Dann sagte das MAZ ab – «unrentabel», lautete sein Fazit. Die Meier & Cie AG lässt aber noch nicht locker. Und bekommt für die Planung der Medienakademie Geld vom Kanton.

Das dominierende Schaffhauser Medienunternehmen, die Meier & Cie AG, wollte einen nächsten Schritt wagen: eine eigene Journalistenschule, hier in Schaffhausen. Das Ziel: Angehende Journalisten vor Ort ausbilden und damit den eigenen Nachwuchs sicherstellen. Praktische Erfahrungen hätten die Studenten gleich in den Subunternehmen der Meier & Cie AG sammeln können: bei den Schaffhauser Nachrichten, Radio Munot oder dem Schaffhauser Fernsehen.

Nach dem unerwarteten Tod des ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten Norbert Neininger vor einem Jahr geriet das Projekt allerdings ins Stocken – die Zeit verging, ohne dass sich etwas tat. Doch vom Tisch ist die Medienakademie noch nicht. Der Kanton Schaffhausen hat die Leistungsvereinbarung mit dem Mutterhaus der Schaffhauser Nachrichten um ein Jahr bis Ende Dezember 2016 verlängert. Das ist dem Verwaltungsbericht 2015 des Kantons zu entnehmen.

«Unrentabel», sagt das MAZ
Das erstaunt aus zwei Gründen. Erstens wurde die Leistungsvereinbarung nicht auf den neusten Stand gebracht. Noch immer heisst es, die Meier & Cie AG als Projektträgerin möchte «in Kooperation mit dem St. Galler Tagblatt und der Schweizer Journalistenschule MAZ ein umfassendes Aus- und Weiterbildungsangebot für junge zukünftige Medienschaffende» anbieten.

Dabei gab das MAZ bereits vor knapp zwei Jahren bekannt, dass es aus dem Projekt aussteigt. Gegenüber der «az» bestätigt Direktor Diego Yanez, dass das MAZ definitiv nicht mitmacht – was zum zweiten Grund führt: «Wir sind der Ansicht, dass eine regionale Journalistenschule in Schaffhausen nicht wirtschaftlich rentabel betrieben werden kann», sagt Yanez. Seiner Ansicht nach braucht eine Journalistenschule eine gewisse Grös­se. Das MAZ hat im Diplomlehrgang, in der zweijährigen Grundausbildung, zurzeit rund 40 Studierende pro Jahrgang. Im Raum Schaffhausen und in den angrenzenden Regionen rechnet er mit maximal fünf oder sechs Studierenden. «Das ist zu wenig,» Zudem habe das MAZ erkennen müssen, dass eine Journalistenschule in Schaffhausen das Luzerner Pendant konkurrenzieren könnte. Aus Schaffhausen werden zurzeit drei Studierende in Luzern ausgebildet – zwei im Lehrgang Radio, eine in der Diplomausbildung. Alle drei sind von Radio Munot.

Meier & Cie AG: Optimistisch
Unbeeindruckt von der Skepsis des MAZ, will die Meier & Cie AG erst eine Machbarkeitsstudie durchführen, um «zu prüfen, ob und mit welchem Angebot eine Medienakademie in Schaffhausen rentabel betrieben werden könnte», schreibt Beat Rechsteiner, der für die Meier & Cie AG die Verlängerung der Leistungsvereinbarung mit dem Kanton unterzeichnet hat. Im Gegensatz zum MAZ ist er der Ansicht, dass sich diese Frage zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht beantworten lässt. Und er ergänzt: «Das Projekt verläuft nach Plan.»

Diese Studie, auf die das MAZ die Antwort bereits kennt, wird vom Kanton Schaffhausen mit 20’000 Franken aus der Staatskasse mitfinanziert. Dazu kommen 25’000 Franken vom Bund. Bei Gesamtkosten von 76’000 Franken heisst das: Der Steuerzahler finanziert eine Studie über ein Projekt – aus dem ein Projektträger bereits ausgestiegen ist – zu fast 60 Prozent.

Der Kanton wartet ab
Warum glaubt der Kanton trotz Absage des MAZ noch an dieses Projekt? Und wieso hat der Kanton eine Leistungsvereinbarung verlängert, die schon seit zwei Jahren nicht mehr aktuell ist?

Geld ist jedenfalls bisher noch keines geflossen, sagt Daniel Sattler, Sekretär des kantonalen Volkswirtschaftsdepartements, auf Anfrage der «az»: «Die Beiträge des Kantons werden jeweils erst entrichtet, wenn die Projektträger die in der Leistungsvereinbarung umschriebenen Leistungen erfüllt haben.» Aus diesem Grund sei auch keine Anpassung der Leistungsvereinbarung erforderlich. Ausserdem: «Bei Machbarkeitsprojekten geht es sodann um die Prüfung verschiedener Möglichkeiten. Der Abgang eines Allianzpartners bedeutet nicht gleich die Unmöglichkeit dieser Abklärungen.»

Sollte sich nach Abschluss dieser Abklärungen – und wenn die Steuergelder weg sind – allerdings herausstellen, dass sich eine Schaffhauser Journalistenschule nicht rentabel betreiben lässt, muss sich der Kanton kritische Fragen gefallen lassen.

Dieser Artikel erschien am 26. Mai 2016 in der «schaffhauser az».